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Passivhaus in Darmstadt

In Darmstadt wurde ein massiver Baukörper durch eine einzigartige Kammbettstruktur aufgelöst.

An der Elisabeth-Hattemer-Straße in Darmstadts Nordosten, entstand ein zukunftsorientiertes Passivhaus mit 37 attraktiven Eigentumswohnungen. Nach dem Objekt WohnArt3 im Kranichsteiner Neubaugebiet K 6, ist dies bereits das zweite Passivhaus der Darmstädter bauverein AG. Das neue, fünfgeschossige Gebäude ist jedoch etwas Besonderes: Es ist Teil des europäischen EURHONET-Projektes „BuildTog“ (www.buildtog.eu), an dem 28 Wohnungsunternehmen aus Deutschland, Schweden, Italien, Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich beteiligt sind, darunter die bauverein AG als Gründungsmitglied. Der französische Stararchitekt Nicolas Michelin und das Beratungsunternehmen LUWOGE consult haben in diesem Rahmen einen Passivhaus-Prototyp entwickelt, der in mehreren Ländern gebaut werden soll – adaptiert an die regionalen Bedingungen. „Dabei soll ermittelt werden, welchen Einfluss klima- und länderspezifische Faktoren auf die Bauweise beziehungsweise den Passivhausstandard haben“, berichtet Arne Schreier, der den Bau als Projektleiter für die bauverein AG betreut.

Die Teilnehmer versprechen sich davon mehr Wissen darüber, welche klimabedingten Anpassungen notwendig sind, um diesen hohen Standard zu erhalten. Auf Grundlage der Erkenntnisse sollen Dämmkonzepte für Passivhäuser weiterentwickelt werden. Der Neubau in Darmstadt wurde unter dem Motto „greenageone“ realisiert. Es ist das erste Gebäude des ambitionierten Projektes, das jetzt bezugsfertig wird. „greenageone“ steht für eine nachhaltige, zukunftsorientierte Bauweise. Die Wohnungen des Passivhauses sind hochwertig gedämmt und erstrecken sich über vier Vollgeschosse sowie ein Staffelgeschoss. Umweltfreundliche Fernwärme sorgt für angenehme Temperaturen und die Warmwasserbereitstellung.

Struktur erwünscht

Eine der Herausforderungen, die es beim Bau zu lösen galt, war die gestalterische Umsetzung der ursprünglichen Planung unter Bezugnahme auf die unmittelbare Umgebung. „Es handelt sich hier um ein Baukastensystem, das lokal interpretiert werden muss“, erklärt Architekt Stefan Reuther von der PlanungsgruppeDREI aus Ober-Ramstadt, die mit der Umsetzung vor Ort beauftragt war. „Nachdem wesentliche Elemente durch den Entwurf des Baukörpers vorgegeben waren, haben wir uns bei der äußeren Gestaltung auf die Fassade konzentriert, denn sie ist letztlich das städtebaulich wirksame Instrument.“ Die Suche nach alternativen Möglichkeiten, den massiven Grundkörper mit vier Vollgeschossen und dem aufgesetzten Staffelgeschoss vor allem auf der Giebelseite aufzulösen, führte Reuther zu der Frage: „Muss das immer nur Farbe sein oder gibt es auch andere Lösungen? So entstand die Idee, in diesem Fall mit einer Modellierung des Außenputzes zu arbeiten. Denn, so der Architekt: „Bilder, Reliefs oder Verblendungen mit Putz haben eine lange Tradition, die mit hohem handwerklichen Können verbunden ist.“

Für ein gleichmäßiges Arbeiten mit dem Kammwerkzeug wurden Führungsschienen montiert. Die Auflageflächen ohne Bearbeitung sorgen für eine zusätzliche grafische Struktur und verleihen den Flächen einen individuellen Charakter.

Eine Kammbettstruktur sollte die großen Flächen aufbrechen. Doch WDVS-Systeme bieten nur einen begrenzten Spielraum. Das Problem: Der stärkere Putzauftrag schafft ein zusätzliches Gewicht, das ein Styroporblock vor der Fassade nicht so ohne weiteres trägt. „WDVS-Systeme sind streng geregelt und müssen zulassungskonform verarbeitet werden“, erklärt Reuther. „Mit Caparol als Systemanbieter haben wir einen Partner gefunden, der es verstand, unter diesen Voraussetzungen sehr flexibel auf unsere Wünsche und Vorstellungen einzugehen.“ Caparol-Planer und Objektberater Peter Weidmann ergänzt: „Dabei wurden gemeinsam neue Lösungen entwickelt, die nicht nur dem Stand der Technik entsprechen, sondern sogar darüber hinausgehen.“

WDVS-Fassade mal anders

Die Dämmung der Fassade erfolgte mit EPS-Dämmplatten aus dem von der BASF entwickelten Werkstoff Neopor. „Dämmstoffe aus diesem Material bieten eine bis zu 20 Prozent höhere Dämmleistung“, erklärt BASF-Anwendungstechniker Roland Streng. „So schonen sie Umwelt und Geldbeutel. Dämmstoffe aus Neopor enthalten als Zellgas nur Luft. Dadurch wird die Erhaltung der Wärmeleitfähigkeit über die ganze Lebensdauer des Bauwerks gewährleistet.“

Projekt „greenageone“: Ein Passivhaus mit 37 attraktiven Eigentumswohnungen wurde in Darmstadts Nordosten fertiggestellt.

Der Oberputz wurde mit einem mineralischen Werktrockenmörtel, ausgeführt. Die Eignung dieses Putzes für eine Kammbett-Optik wurde zunächst im Caparol-Labor in mehreren Versuchsreihen intensiv getestet. „Dabei ging es darum, herauszufinden, welches Material das zulässige Gewicht auf der Fläche nicht überschreitet, sich für die besondere Form der gewünschten Verarbeitung eignet und dabei zulassungskonform ist“, erklärt Weidmann. Eine besondere Rolle spielte neben einem ausreichend dimensionierten Zeitfenster für die Bearbeitung eine möglichst geringe Rissanfälligkeit des Putzes, denn an der tiefsten Stelle des Kammbettes beträgt die Dicke nur wenige Millimeter. Gleichzeitig wurde ein Verfahren entwickelt, um das Kammbett später auf der Fassade aufbringen zu können. Die Kammform wurde ins Leistungsverzeichnis aufgenommen und detailliert beschrieben. „Der Verarbeiter hat dann nach diesen Vorgaben ein Werkzeug maßanfertigen lassen“, berichtet Weidmann.

Knifflige Umsetzung

Was unter Laborbedingungen sehr gut funktionierte, erwies sich auf der Baustelle schwieriger als gedacht. Das gleichmäßige Aufbringen des Kammbettes auf einer großen Fassadenfläche stellte sich als echte Herausforderung dar. Ecken und Kanten, Fensterstürze sowie Gerüstbefestigungen waren zusätzliche „Problemzonen“. Sobald zwei Personen an einer Fläche arbeiteten, wurde sofort die unterschiedliche „Handschrift“ erkennbar. Um ein ansprechendes Ergebnis erzielen zu können, musste das Kammwerkzeug in einem konstant gleichen Winkel und mit stets gleichem Anpressdruck durch den Putz gezogen werden. Gelöst wurde das Problem mithilfe von Latten, die als Führungsschienen montiert wurden.

Das Werkzeug für den Kammputz konnte daran wie an einer Lehre angesetzt werden. Die Auflageflächen der Schienen beließ man letztlich ohne Bearbeitung. So entstand ein Wechsel zwischen dem Kammputz und den schmalen, glatten Bändern, wo die Holzlattung auflag. „Das ergibt eine zusätzliche, grafische Struktur, was den Wandflächen einen individuellen Charakter verleiht“, erklärt Architekt Reuther und ergänzt: „Die handwerklich bearbeitete Fassade bildet einen willkommenen Kontrast zu den vielen industriellen Oberflächen, die für Gebäude in dieser Größenordnung typisch sind." Muss es immer nur Farbe sein oder gibt es auch andere Lösungen? So entstand die Idee, in diesem Fall mit einer Modellierung des Außenputzes zu arbeiten.

Dipl.-Ing. Kay-Uwe Müller

praxisplus

Bautafel: Mehrfamilien-Passivhaus, Elisabeth-Hattemer-Straße, Darmstadt
Auftraggeber: Bauverein AG, Darmstadt
Architekten: PlanungsgruppeDREI, Mühltal
Ausführung Fassade: TVB Bau- dekoration GmbH, Darmstadt

Eingesetzte Produkte:
WDVS-Kleber: Capatect Klebe- und Armierungsmasse 186M
Dämmplatte: EPS-Fassadendämm- platte, Dicke 26 cm, Wärmeleitzahl (WLZ) 0,031 W/(m·K)
Armierungsschicht: Capatect ArmaReno 700
Oberputz/Kammputz: Capatect ArmaReno 700
Oberputz/ Strukturputz: Fassadenputz 1,5 mm in Kratzputz-Optik
Anstrich: Muresko SilaCryl (2-facher Anstrich)

Quelle: 3/2015

 

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