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WDVS Langzeittest


In Berlin wurden die Fassaden von fünf Mehrgeschossgebäuden mit verschiedenen WDVS von Caparol energetisch optimiert.

Bei allen fünf kernsanierten Häusern soll der Wärmedurchgang und die Feuchtigkeitsaufnahme der Fassadendämmplatten und des Putzsystems über mehrere Jahre ermittelt und anhand hygrothermischer Messungen bewertet werden. Dr. Ayman Bishara, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dr.-Robert-Murjahn-Instituts, erläutert im Gespräch mit dem Malerblatt das Forschungsprojekt.


Herr Dr. Bishara, welche Dämmstoffe bzw. Dämmplatten nehmen Sie in Berlin unter die Lupe?

Dr. Bishara: Wir haben fünf WDV-Systeme mit vier unterschiedlichen Dämmstoffen eingesetzt. Darunter zwei ökologische Dämmmaterialien, Hanf- sowie Holzfaser, und zwei herkömmliche Dämmmaterialien, Mineralwolle sowie EPS.

Wie ist der genaue Aufbau der einzelnen Wärmedämm-Verbundsysteme hinsichtlich Dämmdicken, Putzsystemen und ergänzenden Materialien?

Dr. Bishara: Die Dämmdicke aller fünf WDV-Systeme wurde so dimensioniert, dass alle Außenwände einen Wärmedurchgangskoeffizienten gemäß Energieeinsparverordnung (EnEV) aufweisen (0,18–0,21 W/m²K). Dabei wurden Dämmdicken von 14 bis 20 cm angewandt.

Wie ist der Untergrund beschaffen, auf dem die WDVS appliziert wurden?

Dr. Bishara: Der Untergrund (Außenputzbestand) ist ein mineralischer Kratzputz. Dieser wurde in allen fünf Häusern normgerecht auf seine Festigkeit hin geprüft. Das heißt, alle WDVS wurden gemäß DIN und Herstelleranweisung auf einen intakten Untergrund gedübelt und befestigt, welcher zusätzlich mit einer Grundierung behandelt wurde.

Was genau wird gemessen? Auf welche bauphysikalischen Parameter zielt Ihr Erkenntnisinteresse ab?

Dr. Bishara: Gemessen wird das hygrothermische Verhalten der Konstruktion sowie der Raumluft. Konkret werden Temperatur und relative Luftfeuchte auf den Dämmplatten jeweils unter der Außenputzebene (zwischen Außenputz und Dämmplatte) sowie in der Kleberebene (zwischen Massivwand und Dämmplatte) gemessen. Zudem die Temperatur und relative Luftfeuchte der Raumluft.

Wie viele Messungen werden innerhalb eines Tages, einer Woche, eines Monats und eines Jahres gefahren? Wie viele Messdaten fallen dabei an?

Dr. Bishara: Wir haben ein Messintervall von fünf Minuten, das beutet, permanent alle fünf Minuten wird ein Messwert der Temperatur und der relativen Luftfeuchte von 32 Datenloggern erfasst. Dies ergibt ein Messvolumen von 18.432 Messwerten täglich.

Können Sie das Forschungsdesign bitte näher beschreiben? Welche Untersuchungsmethode wenden Sie zur Auswertung der Datenströme an?

Dr. Bishara: Zusätzlich zu unseren eigenen, am RMI entwickelten Auswertungsmethoden besonders hinsichtlich Hanf orientieren wir uns bei der Auswertung der Feuchtedaten für Holzfaser und Hanf am WTA-Merkblatt. Bei der Auswertung von Mineralwolle und EPS wird nach DIN EN ISO 13788 verfahren und bei der Auswertung des Innenklimas nach DIN EN ISO 15026/13788 (normale Belegung und hohe Belegung).

Inwiefern unterscheidet sich dieses methodische Herangehen von den bisher üblichen Untersuchungsmethoden?

Dr. Bishara: Wir sind in der Lage, deutlich fortschrittlichere Technik als früher anzuwenden. Das von uns entwickelte Messsystem ermöglicht es uns, hygrothermische Messdaten zerstörungsfrei zu erfassen, wobei zudem Wärmebrücken durch Sensortechnik deutlich geringer ausfallen als bei bisherigen Systemen.

Gibt es so etwas wie eine externe Supervision der Forschungsaktivitäten? Wer nimmt die Validierung der gemessenen Ergebnisse vor und prüft die Plausibilität der Schlussfolgerungen, die Sie und Ihre Kollegen am RMI ziehen?

Dr. Bishara: Das RMI ist ein akkreditiertes und klassifiziertes Prüf- und Forschungsinstitut, ein interner sowie externer Audit wird regelmäßig durchgeführt. Wir arbeiten aber auch gemeinsam mit Universitäten und anderen Prüf- und Forschungsinstituten, um Know-how auszutauschen. Wir stellen unsere praxisnahen Forschungsergebnisse als Lehrmittel für Universitäten zur Verfügung und profitieren dabei auch von der engen Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen. Über die Märkische Scholle in Berlin werden beispielsweise zwei Masterarbeiten unter der Betreuung des RMI und der Beuth Hochschule Berlin verfasst.

Es kommt ja nicht gerade täglich vor, dass in einer Straße fünf gleichgroße Mehrgeschossgebäude nebeneinanderstehen und jedes von ihnen wird mit einem anderen WDVS eines einzigen Herstellers gedämmt – wie stellen Sie die Objektivität der Messungen sicher?

Dr. Bishara: Diese stellen wir durch eine wissenschaftliche Herangehensweise sicher, denn wissenschaftliche Arbeit erfordert stets Objektivität. Letztendlich sind ja auch wir an den realen Ergebnissen interessiert.

Es besteht also keinerlei Gefahr einer interessengeleiteten Beeinflussung durch die Industrie?

Dr. Bishara: Das RMI ist ein unabhängiges, akkreditiertes und klassifiziertes Prüf- und Forschungsinstitut. Das heißt, unsere Prüfungen und Forschungen basieren auf rein wissenschaftlichen und standardorientierten Methoden.

Sie haben die von Ihnen neu entwickelte Methode zum Patent angemeldet – heißt das, dass dieses spezielle Forschungsdesign nur vom Dr.-Robert-Murjahn-Institut angewandt werden soll? Oder wollen Sie Nutzungslizenzen an andere Labore und ggfs. auch Unternehmen vergeben?

Dr. Bishara: Nachdem der Patentantrag eingereicht wurde, freuen wir uns natürlich, wenn auch andere Institute, Forscher und Sachverständige unsere Methode anwenden. Ziel unserer Forschung und Entwicklung ist, die Nachhaltigkeit am Bau zu fördern, daher sind wir stets auch an einem Know-how-Austausch auf wissenschaftlicher Ebene interessiert.

Für welchen Zeitraum ist die wissenschaftliche Erforschung von Dämmstoff- und Bauteilveränderungen unter Realbedingungen vorgesehen?

Dr. Bishara: Drei bis vier Jahre.

Wo werden Sie Ihre Ergebnisse publizieren?

Dr. Bishara: Auf nationalen und internationalen Konferenzen sowie in Fachzeitschriften.

Herr Dr. Bishara, herzlichen Dank für das Gespräch.


Weitere Infos zum Langzeitversuch: bit.ly/2qHKOvy

 

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