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Tadelakt - Die Verarbeitung

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Tadelakt
Die Verarbeitung
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Die Verarbeitung

Da der Tadelaktputz in Pulverform erhältlich ist, muss er möglichst über Nacht eingesumpft, also mit Wasser vermischt werden. Durch den anschließenden Rührvorgang bekommt der Putz eine sämige Konsistenz. Angeteigten Tadelakt bewahrt man in luftdicht schließenden Gefäßen auf und schützt ihn so vor dem Austrocknen.
Bevor der Putz auf die Wand aufgetragen werden kann, sollte diese unbedingt vorgenässt werden. Dadurch wird zum einen eine ausreichende Verbindung zwischen Untergrund und Putz erzielt, zum anderen verhindert das Vornässen, dass der Untergrund dem frischen Putz zu viel Wasser entzieht und dieser sich nicht mehr oder nur noch schlecht glätten und polieren lässt. Das Auftragen kann mit der Traufel oder auf traditionelle Weise mit dem Holzreibebrett ausgeführt werden. Die Schichtdicke sollte etwa fünf bis sechs Millimeter betragen. Sofort nach dem Auftragen erfolgt das Glätten des Tadelaktmörtels mit dem Holzreibebrett, einer Kunststoffkelle oder dem Polierstein. Sämtliche Außenecken sollten mit einem Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern gerundet werden, da Tadelakt auch nach der Trocknung stoßempfindlich ist. Nach dem Auftrag sollte man den Putz – abhängig von der Raumtemperatur, dem Untergrund und der aufgetragenen Schichtstärke bis zu 24 Stunden – ruhen lassen. Allerdings darf der Putz während dieser Zeit nicht austrocknen. Gegebenenfalls sollte man ihn mit einer Sprühflasche benetzen oder durch eine Kunststofffolie vor dem Austrocknen schützen.
Wenn sich die Putzoberfläche nach der Ruhezeit noch leicht feucht anfühlt, der Putz beim Berühren jedoch nicht mehr abfärbt oder an der Hand kleben bleibt, ist der richtige Zeitpunkt zum Verpressen gekommen. Dazu wird die Putzoberfläche mit einer Lösung aus Seife und Wasser mithilfe einer Bürste, einer Sprühflasche oder eines Schwamms benetzt und anschließend mit dem Polierstein verpresst. Insgesamt sollte dieser Vorgang drei- bis viermal wiederholt werden.
Genauso wie beim Verpressen ist der richtige Zeitpunkt beim Polieren von großer Bedeutung. Zu frühes Polieren kann dazu führen, dass die Oberfläche aufraut oder gar aufreißt. Ist die Oberfläche schon zu trocken – dies erkennt man daran, dass der Putz heller wird – ist kein effektives Polieren mehr möglich. Poliert wird, indem der Stein kreisförmig über die mit Seifenlösung benetzte Putzoberfläche geführt wird. Dabei wird der Druck bei jedem Polierdurchgang erhöht.
Je öfter eine Tadelaktoberfläche poliert wird, desto wasserundurchlässiger wird sie. Waschbecken, Dusch- oder Badewannen sollten daher mindestens fünf- bis sechsmal poliert werden. Sie können etwa eine Woche nach Aufbringen des Tadelakts benützt werden. Bei Tadelaktböden sollte man dagegen etwas mehr Geduld haben und sie erst nach rund 30 Tagen – und dann wegen ihrer Kratzempfindlichkeit nur ohne Schuhe – betreten.

Lohnender Aufwand

Wie die vorangegangene Beschreibung schon vermuten lässt, ist die Tadelaktverarbeitung sehr aufwändig. Ein geübter Verarbeiter schafft etwa vier bis fünf Quadratmeter Tadelaktfläche pro Tag. Entsprechend hoch sind die Herstellungskosten. Doch nicht nur die lange Haltbarkeit des Materials, sondern auch seine einzigartige Anmutung rechtfertigen den Preis.
Tadelaktoberflächen sind in der Regel leicht wellig, was vom Polieren mit dem Stein herrührt, und weisen häufig feine Haarrisse auf, die jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Wasserundurchlässigkeit und Haltbarkeit des Tadelakts haben. Beides stellt keinen Mangel dar, sondern trägt vielmehr zur Besonderheit des echten marokkanischen Tadelakts bei.
Ähnlich wie beim Sgraffito können vor dem Aushärten des Tadelaktputzes einzelne Muster oder Bordüren in die Oberfläche gekratzt werden. Selbstverständlich ist auch mehrfarbiges Arbeiten möglich.
Ein wertvoller praktischer Ratgeber im Umgang mit Tadelakt ist das gleichnamige Buch von Michael Johannes Ochs (nähere Infos im Kasten), das als Grundlage für diesen Beitrag diente.

Susanne Sachsenmaier-Wahl
Quelle: Malerblatt 02/2010


 

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