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Wasserlacksysteme

Um wasserverdünnbarer Lacke führt heute kein Weg mehr vorbei. Dennoch verwenden viele diese Produkte nur widerwillig.

Dabei sind die Lacke inzwischen viel besser als ihr Ruf – vorausgesetzt, Beschichtungsmaterial, Werkzeug und Auftragsverfahren sind optimal aufeinander abgestimmt. Fragt man Maler und Lackierer, wo sie hinsichtlich der Verarbeitungseigenschaften den wesentlichen Nachteil eines wasserverdünnbaren Lackes sehen, so lautet die Antwort meist: Die Offenzeit ist zu kurz – bei einem lösemittelhaltigen Alkydharzlack sei diese wesentlich länger.

Es mag überraschen, aber tatsächlich ist die Offenzeit, also die Zeit bis zur Hautbildung, bei den meisten lösemittelhaltigen Alkydharzlacken nicht länger, als bei einem wasserverdünnbaren Acryldispersionslack. Der lösemittelhaltige Alkydharzlack hat jedoch den unschätzbaren Vorteil der Reversibilität durch die immer noch beträchtliche Lösemittelmenge. Bei der Verarbeitung mit dem Pinsel oder der Rolle erfolgt so während der Verarbeitung ein Anlösen von bereits antrocknendem Lack ohne dass dieses bewusst bemerkt wird. Das permanente Anlösen des bereits angetrockneten Lackes durch den frisch aufgetragenen ermöglicht ein ansatzfreies Verarbeiten ohne allzu großen Zeitdruck. Diese unscheinbare Verarbeitungseigenschaft macht den lösemittelhaltigen Alkydharzlack immer noch zum bevorzugten „Malerlack", denn die optische Oberflächenqualität ist nach wie vor das wichtigste Qualitätsmerkmal.

Aufgrund seiner sehr begrenzten Lösemittelmenge kann ein Acryldispersionslack oder ein Alkydemulsionslack nicht reversibel wirken. Eine bereits einsetzende Hautbildung wird vom nassen Lack nicht mehr gelöst. Würde man es versuchen, wären Pinselstreifigkeit und Ansatzspuren die Folge. Die Verarbeitung muss deshalb zwingend innerhalb der nassen Phase, also vor der beginnenden Hautbildung, abgeschlossen sein. Dieser als Offenzeit bezeichnete Zeitraum wird bei höheren Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit zudem spürbar verkürzt, so dass dem Lackierer nur wenig Zeit bleibt, um den aufgetragenen Lack gleichmäßig nachzubearbeiten. Deshalb ist jeder Lackentwickler bemüht, die Offenzeit zu verlängern. Das kann durch spezielle Additive unterstützt werden, geschieht jedoch bisher hauptsächlich durch Lösemittel bzw. Alkohole. Da hier enge Grenzen gesetzt sind, versucht man aktuell offenzeitverlängernde Additive direkt in das Bindemittel hinein zu polymerisieren. Die Ergebnisse stehen noch aus. Aber auch mit den derzeit auf dem Markt befindlichen Lacken ist ein jederzeit akzeptables und verkaufbares Ergebnis zu erzielen, sofern man sich bei der Verarbeitung etwas umstellt. Das ist nicht schwierig, da mittlerweile alle namhaften Hersteller sehr detaillierte Angaben zur materialgerechten Verarbeitungstechnik und dem passenden Werkzeug machen. Verschließen sollte man sich dieser Umstellung nicht, denn Fakt ist: Wasserverdünnbare Lacke gewinnen unaufhaltsam an Bedeutung. Ein Grund ist die größere Sensibilität der Kunden, die jede Art von chemischen Gerüchen als potenzielle Gesundheitsgefahr betrachten, aber auch die stetig zunehmende Anzahl von Bauobjekten, an die Zertifizierungssysteme für nachhaltiges Bauen angelegt werden.

Das richtige Werkzeug

Schon in den 70er-Jahren, als die ersten Acryldispersionslacke auf den Markt kamen, hat man erkannt, dass man für diesen Lacktyp besondere Borsten benötigt. Die für lösemittelhaltige Lacke gebräuchlichen Pinsel aus Schweineborsten waren nicht geeignet. Die ersten Pinsel aus Polyester waren es aber auch nicht so ganz. So sahen diese oftmals schon nach kurzem Gebrauch aus wie das Ende eines Kuhschwanzes. Erst die Kombination von Naturborsten mit geeigneten Polyesterborsten brachte eine spürbare Verbesserung. Seit etwa zehn Jahren haben auch die Werkzeughersteller in Zusammenarbeit mit den Lackherstellern weitere Qualitätssprünge verwirklichen können. Das gilt nicht nur für die Art und Qualität der Borsten, sondern auch für die Konstruktion des Pinsels.

Heute steht eine größere Auswahl von Pinseln zur Verfügung, die grundsätzlich für Wasserlacke geeignet sind. Der Hersteller kann mittlerweile aus diesem Angebot den Pinsel aussuchen, der für seinen Lack das optimale Oberflächenergebnis bringt und dann eine Empfehlung aussprechen. Welcher Pinsel der richtige ist, kann von Lack zu Lack unterschiedlich sein. Das hängt im wesentlichen von der Rheologie des Lackes ab. Das ist, vereinfacht gesagt, das, was der Maler unter dem Pinsel als flüssiges Verhalten spürt (zäh, weniger zäh oder geschmeidig). So kann eine zu weiche Borstenmischung bei einem kompakter eingestellten Lack dazu führen, dass die Borsten nicht richtig in den nassen Lackfilm eindringen und beim Streichen über die Oberfläche „flattern". Ein gleichmäßiges Verteilen des Lackes ist so nicht möglich. Bei einer anderen rheologischen Einstellung kann aber gerade diese weiche Borste oder Borstenmischung die richtige sein. Das herauszufinden ist heute auch Bestandteil der Lackentwicklung. Nur mit genau passendem Pinsel oder entsprechender Rolle lässt sich das Top-ergebnis aus dem Lack herausholen.

Damit scheint das Problem ja gelöst zu sein. Fast. Denn man kann zwar in der Anwendungstechnik des Lackherstellers herausfinden, dass man mit diesem oder jenem Pinseltyp das Topergebnis erzielt, muss dann aber feststellen, dass es mit der flächendeckenden Verfügbarkeit des Fabrikates im Fachhandel hapert. Auch darüber muss sich ein Lackhersteller heute Gedanken machen und ggf. für Verfügbarkeit sorgen.


Moderne wasserverdünnbare Lacke der neuen Generation sind nicht nur mechanisch hoch belastbar, sondern auch besonders farbtonstabil.


Spritzbare Wasserlacke

Große Lackflächen im Objektbereich renovieren – dafür braucht man heute rationelle Arbeitsverfahren und die dazu passenden Beschichtungsstoffe. Moderne Airlessfüller und die dazu passenden Airlesslacke bieten neue Möglichkeiten.

Der immer stärkere Kostendruck macht aufwendige Spachtelarbeiten zunehmend unmöglich. Ob alte Türen, Sockel oder Holzdecken, das flächige Spachteln mit einem Lackspachtel kann man im Objektbereich auch oft durch den Einsatz eines Spritzfüllers ersetzen. Diese Möglichkeit gibt es zwar schon lange, jedoch lange Zeit nur mit lösemittelhaltigen Füllern. Das macht die Verwendung bei den üblicherweise großen Flächen und Auftragsmengen nicht nur für den Verarbeiter recht unangenehm. Der Gebrauch in geruchssensiblen Objekten ist ebenfalls problematisch.

Glücklicherweise hat die forcierte Entwicklung VOC-konformer Lacke auch hier Abhilfe geschaffen. Mit Airlessfüllern und den dazu passenden Airlesslacken stehen nun auch Dispersionslacke mit einem sensationellen Standvermögen zur Verfügung. So lassen sich moderne Airlessfüller in Nassschichtdicken von bis zu 1.000 µm aufbringen, ohne dass es zu einem Ablaufen kommt. Diese Schichtdicke ist allerdings eher als theoretischer Wert anzusehen. Sinnvoll sind Auftragsmengen von 200 bis 500 µm in einem Spritzauftrag. Damit wird eine ausgezeichnete Füllkraft erreicht, die sich mit den lösemittelhaltigen Qualitäten messen kann.

Sehr gute Schleifbarkeit und schnelle Durchtrocknung ergeben einen idealen Untergrund für alle Dispersionslacke, aber besonders für die neuen Airlesslacke. Auch der spezielle Airlesslack ist eine Neuentwicklung mit einer bis dahin nie gekannten Lackiersicherheit. Auch für einen ungeübten Spritzlackierer ist es fast unmöglich diesen Lack oder den Füller zum Ablaufen zu bringen, auch wenn die Spritzpistole etwas ungelenk geführt wird, oder das Spritzgerät nicht optimal eingestellt ist. Für den Erfolg dieser Produkte ist diese hohe Anwendungstoleranz sehr wichtig. Man hat erkannt, dass bei der Entwicklung zeitgemäßer Spritzlacke berücksichtigt werden muss, dass viele Fachhandwerker nur gelegentlich zum Spritzgerät greifen und so wenig Routine haben. Die dadurch verbreitete Unsicherheit im Spritzlackieren führt auch dazu, dass Aufträge oftmals in herkömmlicher Arbeitsweise abgewickelt werden, obwohl dass Objektumfeld das Spritzen durchaus zulassen würde. Das ist einerseits verständlich, aber andererseits alles andere als zeitgemäßes unternehmerisches Handeln.

Es ist nun Aufgabe der Lackhersteller den Fachhandwerker davon zu überzeugen, dass mit den neuen Airlessprodukten ein sicheres und rationelles Lackieren möglich ist. Möglichkeiten hierfür sind Seminare und Schulungen, die auch beim Fachhandwerk vor Ort durchgeführt werden. Dabei überrascht die Teilnehmer an senkrechten Flächen immer wieder die enorme Nassstandfestigkeit des Füllers von bis zu 1 mm, das sind 1.000 µm oder 1 Liter/m², und beim Lack von bis zu 0,5 mm, das sind 500 µm oder 0,5 Liter/m². In der Praxis kommt man in der Regel bei einem Spritzauftrag mit jeweils maximal der Hälfte aus. Auftragsmengen von einem Liter pro m² (1,3 kg pro m² beim Füller) sind in der Regel wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. Aber diese theoretisch möglichen Auftragsmengen machen deutlich, was heute hinsichtlich Standvermögen, Füllkraft und Lackiersicherheit durch moderne Additivtechnologie möglich ist.

Natürlich sind Nassschichtdicke und Trockenschichtdicke nicht das Gleiche. Entscheidend ist, was nach dem Verdunsten des Wassers, also nach der Trocknung, übrig bleibt. Die Trockenschichtdicke erreicht bei Dispersionen ca. 60 Prozent der Nassschichtdicke. Das ist im Fall des Airlessfüllers und des Lackes in der Praxis für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend. Bei Trockenschichtdicken des Airlesslackes von durchschnittlich 100 bis 150 µm wird z.B. auch bei kritischen Farbtönen im Gelb-Orange-RotSpektrum eine ausgezeichnete Deckfähigkeit mit nur einem Spritzauftrag erreicht, abgesehen vom exzellenten Füllvermögen. So ist eine farbliche Anpassung des Füllers an den nachfolgenden Airlesslack nicht nötig.

Wie der Name schon deutlich macht, sind Airlessfüller und Airlesslacke rheologisch auf die Verarbeitung mit Airlessspritzgeräten eingestellt. Eine Verarbeitung mit dem Pinsel oder der Rolle ist nicht möglich. Geeignet sind Membran- und Kolbenpumpengeräte sowohl mit als auch ohne Druckluftunterstützung (z.B. Aircoat bzw. Airmix) von Wagner oder Graco. Als besonders vorteilhaft hat sich dabei das Airlessspritzen mit Materialerwärmung erwiesen. Bei einer Erwärmung des Füllers oder des Lackes auf 40 Grad Celsius kann der Spritzdruck um ca. 40 bar reduziert werden. Das minimiert den Spritznebel spürbar. Von den namhaften Spritzgeräteherstellern sind Nachrüstsätze für die kontinuierliche Materialerwärmung erhältlich (Wagner TempSpray oder Graco °C-MAX).

Aber auch der reduzierte Spritznebel wird bei den neuen Airlessprodukten als deutlich weniger störend empfunden. Der Spritznebel liegt als trockener Staub auf dem Boden und nicht als störend klebriger Film wie man das von lösemittelhaltigen Lacken her kennt. Die neue Generation der Airlessfüller und -lacke ermöglicht so ein angenehmes, sicheres, schnelles und somit kostengünstiges Lackieren auf mittleren und großen Flächen.


Mit der richtigen Arbeitstechnik gelingen auch besonders schwierige Aufgaben, wie etwa das Lackieren von Füllungstüren.

Bernhard Linck, Caparol
Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz
Quelle: Malerblatt 02/2013
 

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