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Ökolacke und -lasuren

Überall spricht man von Nachhaltigkeit und nachhaltigem Bauen. Welche Rolle spielen Farben und Lacke dabei?

Ein Interview mit dem Chemiker Dr. Albert Rössler, der in der österreichischen Adler-Werk Lackfabrik die Abteilung Forschung und Entwicklung leitet.

Herr Rössler, „Nachhaltiges Bauen" ist in aller Munde und allenthalben gilt es Zertifikate nachzuweisen. Welche Rolle spielen Farben und Lacke im Nachhaltigkeits-Dschungel?

Eine große! Auch wenn der Anteil einer Beschichtung am Gebäude klein ist. Aber denken Sie an das Thema Innenraum.Hier sind die Konsumenten schon lange an produktbezogene Umweltzeichen gewöhnt, vor allem der Blaue Engel, das wohl älteste Umweltzeichen weltweit, spielt in Deutschland eine große Rolle. Mit dem Österreichischen Umweltzeichen UZ 17 für Wandfarben konnten wir erst kürzlich einzelne Produkte auszeichnen.

Neben diesen gewohnten Umweltzeichen wird in letzter Zeit aber noch ein anderes Thema immer wichtiger: die Nachhaltigkeit im gesamten Bauprozess
. Ja, der Begriff Nachhaltigkeit hat in diesem Zusammenhang mehrere Ebenen. Will man nachhaltig bauen, gilt es heute alle Aspekte zu beachten: von Ökonomie über Ökologie, von Soziokulturellem bis hin zur technischen Funktionalität. Das heißt, neben möglichst geringem Energie-, Ressourcen- und Flächenverbrauch, spielen auch die Gesamtkosten, Denkmalpflege, Behaglichkeit, Barrierefreiheit, Design oder Umnutzungsfähigkeit eine Rolle. Auch soziale Fragen wie Kinderarbeit, Gleichberechtigung, Berufsunfälle oder Streiks sind zu berücksichtigen. Sie sehen also, dass Farbe und Lack sowie die rein produktbezogenen Umweltzeichen hier nur mehr ein kleines Puzzleteil in einem großen Ganzen sind.

Was gibt es hier für Richtlinien? In der aktuellen Bauprodukte-Verordnung der EU steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das neue Kriterium Nr. 7, Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen, besagt, dass Baustoffe und Bauteile, die fest mit dem Gebäude verbunden sind (Böden oder Türen etwa), recycelbar sein müssen; und dass für das Bauwerk umweltfreundliche Rohstoffe und Sekundärbaustoffe zu verwenden sind. Für diese Anforderungen bietet Adler seine bewährte Wasserlackpalette, emissionsarme Wandfarben oder das Legno-Hartwachsöl aus der Legno-Schiene an (siehe Kasten „PraxisPlus"). Mit dem sogenannten GPP – Green Public Procurement – hat die Politik zudem ein Maßnahmenpaket erstellt, das im öffentlichen Bereich Ausschreibungen nach ökologischen Kriterien forciert. Wichtig für uns: es handelt sich dabei immer um Anforderungen an das Bauprodukt – beispielsweise also den Holzboden oder das Fenster! Die Beschichtung an sich ist momentan noch kein Bauprodukt. Es gibt in diesem Sinne also keinen an sich nachhaltigen Lack. Der Lack kann immer nur in Verbindung mit seiner Anwendung am Bauprodukt bezgl. Nachhaltigkeit beurteilt werden.

Wie funktioniert das? Bleiben wir zuerst beim Bauprodukt. Hier läuft alles über eine sogenannte EPD, das heißt „Enviromental Product Declaration". Die EPD ist ein Ecolabel-Typ 3 nach ISO 14025, das für öffentliche Ausschreibungen ausreicht. Sie bezieht sich auf die benötigte Energie, das Treibhaus-Potenzial, Ozonabbau-Potenzial, Versäuerungs-Potenzial, Überdüngungs-Potenzial und Sommersmog-Potenzial eines Produktes. Vor einer EPD ist das jeweilige Produkt einer Kategorie zuzuordnen, es wird in einer PCR (Product Category Rule) erfasst. Sie definiert die Randbedingungen und Regeln für die EPD.

Das hört sich kompliziert an ... Das ist es auch. Deshalb haben Unternehmen die Möglichkeit, keine produktspezifischen oder unternehmensspezifischen EPDs erstellen zu müssen. Branchenverbände bieten Branchen-EPDs an. Die Daten basieren dann auf dem üblichen Branchenmix, was für eine Bewertung von typischen Produkten der Branche genügt. Auch wenn der Lack mengenmäßig in Bezug auf ein gesamtes Bauprodukt oft vernachlässigbar ist, stellt sich immer wieder heraus, dass die Schutzwirkung auf dessen Lebenszyklus erheblichen Einfluss hat. High-Tech-Beschichtungen mit langer Haltbarkeit verzögern die Renovierungszyklen, was sich sehr positiv auf die Ökobilanz auswirkt. Lacke und Farben beeinflussen zudem das Brandverhalten und die Innenraumluft. All diese Themen interessieren die Baubranche zunehmend. Hier kann der Maler also durchaus punkten, indem er mit nachhaltig orientierten Lacken und Lasuren oder mit mineralischen, wohngesunden Farben arbeitet.

Und was ist mit einem ganzen Haus? Der aktuell letzte Schritt im Zusammenhang mit Nachhaltigkeits-Zertifikaten heißt Gebäude-Zertifizierung. Gebäude haben einen sehr langen Lebenszyklus. Daher gilt es, alle Lebensphasen des Bauwerkes auf die unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit zu prüfen. Dabei ist die voraussichtliche Lebens- und Nutzungsdauer des Gebäudes, der Bauteile und der Bauteil-Schichten besonders wichtig. Die bisher einzeln betrachteten Bauprodukte tragen nur indirekt und anteilsmäßig im jeweiligen Bewertungssystem dazu bei. Die Daten dafür kommen beispielsweise aus einer EPD. Letztendlich entscheidet aber die Kombination aus beidem: die Bewertung der Baumaterialien und die Bewertung des Gebäudebetriebs. Die Vielfalt ist hier leider enorm. In Deutschland hat sich aber vor allem das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen – BNB und das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen – DGNB etabliert.

Was bieten Lackhersteller wie Adler hier für eine Unterstützung? Beschichtungen von Adler veredeln die Bauprodukte und tragen so indirekt zur Nachhaltigkeit und möglichen Zertifizierung bei. Weil aber so viele Komponenten am Bau eine Rolle spielen, ist der Einfluss der Farben und Lacke gering. Das Adler-Werk setzt keinerlei giftige oder krebserzeugende (karzinogene), erbgutverändernde (mutagene) und fortpflanzungsgefährdende (reproduktionstoxische) Rohstoffe ein. Damit erfüllen Adler-Lacke wichtige Grundkriterien der unterschiedlichen Bewertungssysteme. Viele Lacke sind – wenn technisch möglich – so formuliert, dass sie die Anforderungen des nachhaltigen Bauens erfüllen. Dem Anwender können dazu abhängig vom Bewertungsschema und dem Einsatzgebiet entsprechende Produkte empfohlen und Bestätigungen ausgestellt werden. Dank der Beschichtungen sind Bauteile und Gebäude länger haltbar und letztlich nachhaltiger. So tragen die Farben und Lacke von Adler positiv zur Produkt- und Gebäudezertifizierung bei – denn die Zukunft im Bauwesen heißt Nachhaltigkeit.

Herr Dr. Rössler, vielen Dank für das Gespräch.

 

Quelle: Malerblatt 09/2012
 

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