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Home Gestaltung Grundlagen Knisterndes Grau

Knisterndes Grau


Über Farben zu sprechen, kann schwierig sein. Vor allem dann, wenn die Beschreibungen begrifflich vage bleiben.

Die schweizerische Monopol AG lädt daher Architekten mit spezifischen Farbwünschen ins Farblabor ein – und macht beste Erfahrungen damit.

Die Situation dürfte bekannt sein: Ein Architekturbüro fragt eine spezifische Farbnuance an, im Farblabor werden drei erste Muster erstellt. Die Planer sind noch nicht zufrieden, das Grau möge doch etwas mehr „knistern“, drei weitere Muster folgen. „Nach dem zwanzigsten Muster haben wir gestoppt, ansonsten wäre das noch lange so gegangen“, berichtet Lionel Schlessinger, Inhaber und Geschäftsführer der Monopol AG im schweizerischen Fislisbach. Das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern ist spezialisiert auf die Produktion von Beschichtungen für Metallfassaden, vor allem auf Basis von Polyurethan oder Fluorpolymeren. Ein Unternehmen also, das Industriebeschichter mit hochwertigen Materialien beliefert – handwerkliche Verarbeiter hingegen werden selten mit den Produkten in Berührung kommen, es sei denn, dass sie eine abgewitterte metallische Fassade mit diesen Systemen vor Ort renovieren. Und doch lohnt der Blick hinter das Firmentor.


Im ColorLab entstehen in aufwendigen Nuancierungsreihen die endgültigen Töne.

Alle zwei Wochen Besuch

Denn Schlessinger hat die drohende Endlos-Bemusterungsschleife ganz pragmatisch unterbrochen: „Wir haben die Architekten kurzerhand in unser ColorLab eingeladen, um gemeinsam die Nuancierung vorzunehmen. Und wissen Sie was? Der letztlich festgelegte Farbton entsprach unserer dritten Mustervariante.“ Seitdem sind im ColorLab regelmäßig Architekten zu Gast: „So alle zwei Wochen haben wir hier Besuch“, so Ulrike Schneider, Leiterin des Labors. Darunter sind nicht nur junge Architekten aus der Schweiz, sondern auch so international aufgestellte Planungsbüros wie Foster, Coop Himmelblau oder UNStudio.

„Architekten haben oft sehr genaue Vorstellungen, können diese aber nicht so artikulieren, also müssen wir uns annähern. Das läuft natürlich in direkter Zusammenarbeit viel schneller und zufriedenstellender“, erläutert Ulrike Schneider. „Architekten haben hier auch die Möglichkeit, sich inspirieren zu lassen. Hier können sie sich ausschließlich dem Thema Farbe widmen.“ Und ihren Erfahrungsschatz erweitern, könnte man wohl ergänzen, denn oft ist die Sensibilität für Oberflächenwirkungen nur rudimentär vorhanden. „So können wir die Planer in Fachgespräche einbinden und an Farbfragen heranführen“, antwortet Schlessinger auf die Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation. „Außerdem sprechen wir nebenbei über das Thema Untergrund, über Qualitäten, Budget, Langlebigkeit und Effekte.“ Denn immer wieder stünden Metallic- oder Flip-Flop-Effekte auf den Wunschzetteln, die kaum sinnvoll seien. Dazu gehört die Kombination aus Weiß und Metallic, die aufgrund ihrer geringen Kontraste kaum sichtbar sei – erst recht nicht aus jenem Abstand, den der Betrachter normalerweise zu einer Fassade hat.


Architekten werden bei der Entwicklung individueller Töne direkt einbezogen – die Ergebnisse liegen schneller vor und sind stimmiger.

Exklusiv entwickelt

Aber warum braucht es überhaupt neue Nuancen? Bieten die gängigen Farbsysteme nicht ausreichend Optionen? Offenbar ist die individuelle Farbigkeit ein wichtiges Steinchen im Mosaik der Architekturgestaltung – selbst wenn die Eigenständigkeit reichlich subtil ausfällt. „Der Wunsch nach Einmaligkeit ist da“, so Schlessinger, „daher sind exklusiv entwickelte Töne auch wirklich exklusiv.“

Beispielsweise die Effektbeschichtung, die man zusammen mit dem spanischen Architekten Luis Vidal für ein neues Hospital in Vigo konzipierte. „Dessen Lage zwischen Meer und Bergen sollte die Fassade aufnehmen“. Also entwickelte man einen Flip-Flop-Effekt aus Grün und Blau, der genau die Lage zwischen Wasser und Land thematisierte. 15.000 Quadratmeter Aluminium-Verbundplatten galt es so, per dreifacher Bandbeschichtung zu lackieren. „Grundton und Effektlack müssen dabei ganz exakt aufeinander abgestimmt sein“, beschreibt Ulrike Schneider die Herausforderungen des Projektes.

Wissenstransfer

Nicht immer gelingt es freilich, die großen Ideen der Planer auch real werden zu lassen: „UNStudio wollten Fassadenbereiche mit fluoreszierenden Farben beschichtet haben“, erzählt Lionel Schlessinger. „Letztlich aber konnten wir diesen Wunsch nicht erfüllen, weil die UV-Stabilität der Spezialpigmente nach wie vor zu gering ist, um damit langlebige Fassadenbeschichtungen formulieren zu können. Aber wir verfolgen das Thema weiter.“ Und so findet im ColorLab ein Ideen- und Wissenstransfer in beiden Richtungen statt: „Wir werden an Fragen herangeführt, die wir uns als Techniker so wohl nie stellen würden.“ Demnächst wird Stockholm eine neue Brücke bekommen, geplant von Foster & Partner, während die Beschichtung aus Fislisbach kommt: Golden schimmernd und zugleich den Anforderungen des Meeresklimas gerecht werdend.

Armin Scharf

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praxisplus

1947 gegründet, konzentriert sich der Mittelständler Monopol auf Industrielacke und Korrosionsschutz für Metall- und Kunststoff-Untergründe. 50 Prozent, primär Fluorpolymerlacke, werden exportiert. Seit 2008 produziert das Unternehmen auch in Indien, seit Kurzem in kleinem Maßstab auch im kenianischen Nairobi.

www.monopol-colors.ch

 

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