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Home Gestaltung Grundlagen Farbige Fassaden Teil 2

Farbige Fassaden Teil 2

Der Mensch schützt sich vor Witterungseinflüssen mit einem Dach, Wänden, Türen und Fenstern.

Sein Haus stellt er auf einen Sockel, er versieht es mit allen technischen Ausstattungen. All das wird als pragmatisch, technisch notwendig und nutzbringend angesehen. Braucht man aber die Farbe? Farbe wird immer wieder als nachrangig, sekundär oder sogar vernachlässigbar behandelt, ist für den normalen Hausbau meist eine untergeordnete Größe. Warum aber sitzen wir lieber in einer österreichischen Kleinstadt mit ihren farbenfrohen Fassaden oder in einer der vielen italienischen Bars unter grünen Sonnenschirmen vor weinroten Fassaden und trinken unseren Kaffee?

Farbsymbolik

Mit Farbe kann man Zeichen setzen, Identifikation schaffen oder auch Informationen über das zu gestaltende Objekt vermitteln. Der Begriff „Symbol" kommt aus dem Griechischen und heißt „Zusammenlegen". Ein Bote erhielt zur Legitimation, eine Nachricht zu überbringen, das Teil eines zerbrochenen Holzstücks, das dazugehörige Teil besaß der Empfänger zur Kontrolle. Passten beide Stücke zusammen, so war der Überbringer der Nachricht ausgewiesen. Bei den beiden Holzstückchen handelte es sich um ein abgesprochenes Zeichen.

Im übertragenen Sinn steht der Begriff Symbol heute für etwas, was der gemeinsamen Absprache mindestens zweier Parteien bedarf. Der Begriff kommt aus der Zeichen- und Kommunikationstheorie. Jede Zeichenhaftigkeit ist oft eng verknüpft mit einer Form- oder Farbaussage. Wir sprechen dann von der Symbolik einer Form, eines Zeichens oder eines Farbtons. Jeder Farbton wirkt unmittelbar auf den Menschen, Farbe erinnert uns an etwas, löst Vorstellungen oder Emotionen aus. Die Wirkung der Farbe und die dazugehörige Assoziation führen dazu, Farben eine symbolische Bedeutung beizumessen. Dieses ist natürlich bei verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich, es kann aber auch eine Reihe von Übereinstimmungen geben. In der Überlieferung haben sich in unserem westlichen Kulturkreis bestimmte Bedeutungsinhalte von Farben manifestiert. Rot steht z.B. für Feuer, Leidenschaft, Revolution aber auch für Gefahr und Aufmerksamkeit. Wer ein rotes Kleid trägt fällt auf. Rot stimuliert die Hirnanhangdrüse und durch die Ausschüttung eines bestimmten Hormons kann der Blutdruck, die Atemfrequenz und der Adrenalinausstoß des Menschen erhöht werden. Aus diesem Grund sprechen wir bei Rot von einer stimulierenden, erregenden Farbe. In der fernöstlichen Kultur steht Rot für den Ausdruck von Freude und traditionell heiratete die Braut in China in roten Gewändern. Die Farbe Gelb steht für Sonne, Glanz, Wärme und Leuchtkraft, manchmal auch ersetzt durch Gold welches für Reichtum und Freude steht. Blau steht immer für Treue, Zuverlässigkeit und Technik, sie ist die Lieblingsfarbe aller Deutschen. Blau gilt als beruhigend und ist eine Farbe die zur Meditation und Konzentration anregt. Dunkle Blautöne wirken ernsthaft, autoritär und seriös.

Am Centre Pompidou in Paris wurden in den 80er-Jahren sämtliche Installationen außen am Gebäude angebracht und nach der Funktion farbig gestaltet.

Farbkommunikation

Eine Änderung der Bedeutung der Farbsymbolik kann durch die Steuerung von Helligkeit, Farbton, Reinheit und Intensität der Farbe erreicht werden. Ähnlich wie bei einem architektonischen Entwurfsvorgang kann man bei der Gestaltung mit Farben systematisch durch die Entwicklung eines Farbkonzeptes vorgehen. Betrachten wir die Funktion der Farbe aus farbsymbolischer Sicht, drängen sich unbewusste Assoziationen mit einem bestimmten Farbton auf. Bei der Aufgabe, ein Feuerwehrgebäude zu gestalten, wird die Mehrheit zunächst zum Farbton Rot greifen: Türen und Fenster, werden Rot. Stellt sich die Frage, ob es nicht reizvoller wäre, Gebäudeteile in Blaugrün zu gestalten, um eventuell den Sinn und Zweck der Feuerwehr, mit kühlem Wasser, das flammende Rot zu löschen, darzustellen. Die mobilen Gerätschaften der Feuerwehr sind sowieso Rot und geben genügend Hinweise zur Nutzung des Gebäudes. Außerdem würde die Kontrastwirkung noch die Funktion der Farbe steigern. Vielleicht reicht es dann aus, den Schriftzug „Feuerwehr" in Rot zu halten.

Jedes menschliche Verhalten ist Teil der Kommunikation. Um den Begriff richtig fassen zu können, kann man sagen, Kommunikation ist der „Austausch" von Informationen zwischen mindestens zwei Teilnehmern, dem Sender und dem Empfänger. Auch mit der Farbgebung von Gebäuden können wir kommunizieren. Wir teilen etwas mit und setzen Zeichen. Am Centre Pompidou in Paris wurden in den 80er-Jahren sämtliche Installationen außen am Gebäude angebracht und farbig gestaltet. Hier verwendete man die Farbe Blau für alles, was mit dem Thema Luft zu tun hat, die Farbe Gelb für den Strom führende Leitungen, die Farbe Grün für Wasser und Flüssigkeiten und die Farbe Rot für alles, was mit Fortbewegung zu tun hat. Derlei Beispiele kennen wir aus allen Laborbereichen und dem Einsatz von Farbe am Arbeitsplatz. Die DIN 2403 sieht eine Reihe von Farbtönen zur Kennzeichnung von bestimmten Stoffen vor – so werden zum Beispiel brennbare Gase mit RAL 1021 einem Gelbton, Sauerstoff mit RAL 5015 einem Blauton oder RAL 6018 einem Grünton für Wasser gekennzeichnet.

Im Städtebau setzte sich in den 20er- und 30er-Jahren der Architekt Bruno Taut mit dem Thema Farbe bei der Gestaltung seiner Wohnhaussiedlungen in Magdeburg und Berlin auseinander. Farbe galt für ihn als ein wesentliches Mittel der Kommunikation und diente zur Orientierung. Taut gestaltete die Eingänge in seine Siedlungen farblich, so wurden die Eckhäuser hell herausgestrichen, denn hell tritt im Stadtbild hervor. So erhält der Suchende die Mitteilung, hier geht es in meine Straße, hier finde ich mein Haus oder meine Wohnung. Für sämtliche Hauseingänge wurden unterschiedliche Farbkombinationen für Tür- und Fensterdetails erarbeitet. Diese kleinen Details reichen aus, um sich zu orientieren.

Die Hauseingänge, dieser von Bruno Taut gestalteten Siedlung in Berlin, erhielten zur Identifikation unterschiedliche Farbkombinationen.

Prof. Matthias Gröne, Hochschule Esslingen
Fotos: Claus Seyfried, Matthias Gröne
Quelle: Malerblatt 01/2013
 

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