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Home Gestaltung Grundlagen Farbgestaltung für Senioren

Farbgestaltung für Senioren

Wer altert, sieht anders. Wer altert, findet in einem angemessen farbig gestalteten Raum eine wohltuende Heimat.

Gestaltung von Senioreneinrichtungen folgt eigenen Regeln. Wer sich darauf einlässt, findet eine feinsinnige Aufgabe mit Zukunft.
Helm mit getöntem Visier und Sehfeldeinengung. Handschuhe, die das Fingerspitzengefühl rauben. Kosmonautenanzug mit schweren Gewichten. Die Probanten sehen aus, als ob sie für die Mondlandung trainierten. Und ein wenig ist das auch so. Die Teilnehmer des „Age Explorer Workshops" am Meyer-Hentschel-Institut in Saarbrücken entdecken in dieser plumpen Verkleidung eine fremde Welt, die für Menschen um die 40 oder jünger noch von einem anderen Stern zu sein scheint. Eine Welt, in der nur schwerfälliges, ungenaues Greifen möglich ist, man sich in der eigenen Haut unbeholfen vorkommt und sich nur langsam und ungelenk bewegen kann.

In der man wie durch einen gelblichen Schleier extrem schlecht, farbverfremdet und nur eingeschränkt sieht. Für jeden, der im „Age Explorer"-Anzug die Einschränkungen erfährt, mit denen man sich als Mensch über 70 in unserer Welt zurechtfinden muss, ist diese körperliche Zeitreise ein nachdrückliches Erlebnis. Und eine unschätzbare Erfahrung für alle, die Architektur für Senioren gestalten: So sahen das die Farbdesigner der Brillux-Farbstudios, die an diesem Workshop teilnahmen. Aus gutem Grund: Der Bedarf für seniorengerechte Wohnangebote – vom Service-Wohnen für mobile Senioren über betreutes Wohnen bis hin zu Pflegeeinrichtungen für körperlich gehandicapte Ältere oder Demenzkranke – steigt stetig. Schon in 17 Jahren, im Jahr 2030, wird in Deutschland jeder Vierte über 65 sein. Farbgestaltung für diese Altersgruppe ist ein enormer Markt.

Die Ansprüche an den Entwurf gehen dabei weit über dekorative Aspekte hinaus. Farbdesignerin Andrea Schmidt vom Brillux-Farbstudio Münster hat sich wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den sieben weiteren Farbstudios des Unternehmens bereits in vielen Projekten mit der Gestaltung von Seniorenwohnangeboten auseinandergesetzt und Planer wie Handwerker mit Entwürfen unterstützt. Sie sagt: „Will man für Ältere verantwortungsbewusst gestalten – d. h. mit dem Ziel, den Senioren bei der Orientierung zu helfen und ihnen ein Stück Geborgenheit zu ge- ben –, dann geht dies nicht ohne Sensibilität für das Thema. Man braucht das Talent, sich in die Realität des Älterwerdens einzufühlen."

 

Senioren sehen anders

Seniorengerecht farbig gestalten heißt zunächst, die Qualität des Farbensehens im Alter zu verstehen. Je älter man wird, umso eher kann das Sehvermögen durch eine der folgenden Veränderungen beeinträchtigt werden. Mit entsprechenden gestalterischen Konsequenzen:

· Gelbfärbung der Augenlinse: Das gehört zum normalen Alterungsprozess und hat unmittelbare Konsequenzen auf das Farbensehen. Alle Farben erscheinen nun viel matter als in jüngeren Jahren. Zudem verfremdet dieser „Gelbfilter" Farbtöne. Farben ohne Gelbanteil, wie z.B. Blau, werden schlechter wahrgenommen – blaue, blaugrüne oder violette Farbtöne lassen sich mit der Zeit immer weniger unterscheiden. Das betrifft auch Rotvarianten: Aus Rosa wird Beige, und dunkle Weinrottöne können sogar schwarz wirken. Schon allein deshalb sind kräftige, strahlende Farbtöne bei seniorengerechter Gestaltung ein Muss. Durch diese Einschränkung schwer unterscheidbare Farbkombinationen – wie Weiß-Gelb und Blau-Grün – sollten nur in starken Helligkeitskontrasten verwendet werden. Im Zweifelsfall hilft ein Blick auf den Entwurf durch eine gelbe Farbfolie.

· Altersbedingte Makuladegeneration: Hier wird der gelbe Fleck (Makula) auf der Netzhaut zerstört, der für scharfes und detailliertes Sehen verantwortlich ist. Es entstehen schwarze Blindflecke. Feine Holz-, Putz- oder Tapetenstrukturen können nicht mehr wahrgenommen werden und sind deshalb nicht geeignet, eine tragende Rolle bei der Gestaltung zu spielen.

· Grauer Star: Die Augenlinse trübt sich, und die Umgebung wird wie durch Milchglas wahrgenommen. Das Bild, das sich dann bietet, ist kontrastärmer, unfarbiger und matter. Zudem steigt die Blendempfindlichkeit; auch Verzerrungen sind möglich. Auch hier steuert man im Farbkonzept mit satten, kontraststarken Farbtönen gegen. Stark glänzende oder Metallic-Farben sind kontraproduktiv. Eine indirekte, genügend helle Beleuchtung versteht sich von selbst.

· Einschränkung des Gesichtfelds: Bei älteren Menschen verengt sich der Bereich, in dem gut gesehen werden kann. Gestaltungselemente und der Orientierung dienende Informationen weit oben oder unten an der Wand werden leicht übersehen. Auch Stützen sollten betont werden, damit sie als Hindernis wahrgenommen werden. Wichtige Leitsymbole oder prägende Gestaltungen sollten sich immer auf Augenhöhe der Senioren befinden.

Wie sich aus diesen Eckpfeilern der seniorengerechten Gestaltung ganz eigenständige Farbentwürfe ableiten lassen, zeigen die beiden folgenden Beispiele.

Bewegungsfreiheit

Eine unüberlegte Farbgestaltung ist in vielen Fällen ein rein ästhetisches Problem – in einem Seniorenheim kann sie zu einer funktionellen Falle werden. Verwirrt sie den Bewohner, verlässt er unter Umständen aus Angst, sich in den Fluren nicht zurechtzufinden, sein Zimmer nicht mehr. Vorbildlich leitend ist Farbe dagegen beim Senioren- und Pflegeheim „Haus an der Bayernstraße" in Bochum eingesetzt worden. Die eindeutigen, starken Farbigkeiten verbreiten eine klare Atmosphäre, geben Orientierung und vermitteln Zugehörigkeit. Das beginnt bereits im Eingangsbereich: Eine hellgrüne Wand begrüßt den Besucher. Derselbe Farbton führt Besucher und Bewohner visuell ins Foyer und den großen Gemeinschaftsraum. Als optischer Schlüssel fungieren Leitfarben in großflächiger Gestaltung auch in den Bewohnerbereichen. Jede der sieben Wohngruppen auf den drei Geschossen ist durch einen Farbton gekennzeichnet. Sattes Pinkrot und Blau, strahlendes Grün, Gelb und Zinnoberrot sowie ein weiteres lebhaftes Rot und Violett werden so zu leicht identifizierbaren Adressen.


Die Flure auf allen Geschossen öffnen sich zudem hin zu verglasten Innenhöfen – mit einem doppelt offenen und transparenten Effekt: Über alle Stockwerke hinweg ist Sichtkontakt möglich – und die plakativen Stockwerkfarben sind von jedem Standpunkt aus sofort erfassbar.

 

Neue Wege gehen

Bewegungssicherheit für die Bewohner ist eine wichtige Facette farbiger Gestaltung in Senioreneinrichtungen. Ein weiterer Aspekt ist das Vertrauen in das neue Zuhause, das ein Farbkonzept erzeugen kann. Hier gehen viele Einrichtungen ganz neue Wege – besonders solche Pflegeheime, die Demenzkranke betreuen. Die Betroffenen leben mehr und mehr in der Erinnerungswelt ihrer Vergangenheit. Besonders wohl und gut aufgehoben fühlen sie sich folgerichtig in einer Umgebung, die den Wohnstil dieser längst vergangenen Zeiten zitiert. Ohrensessel, Nierentischchen, Ornamente in floraler und Streifenoptik sowie Farbharmonien, wie sie vor 50 Jahren aktuell waren, leisten hier die besten Dienste im Sinne der Bewohner. Im Dortmunder Altenzentrum St. Hildegard wählten die Gestalter eine entsprechende Möblierung und Wanddekoration. Jede der drei Etagen erhielt zunächst mit Blau, Grün und Gelb seine Leitfarbe, die in den Flur- und Empfangsbereichen plakativ eingesetzt wurde. In den Gemeinschaftsräumen und Bewohnerzimmern sorgen jedoch differenzierte Gestaltungen für heimelige Individualität.

So wurde ein Aufenthaltsraum mit Farbfeldern in Carrée- und Streifengestaltung belebt.

Eine gediegene Ornamenttapete gibt einem Badezimmer Salonflair. Klarheit und Tradition, Rückbezüglichkeit auf Vorlieben der Bewohner und frischer Wind lassen sich vereinen – das zeigt dieses Raumkonzept nachdrücklich.

 

Der Bedarf ist hoch

Viele Ansätze in der Farbgestaltung für Senioren sind neu – so neu, dass auch die Betreiber der Einrichtungen einen großen Beratungsbedarf haben. Handwerker und Planer können sich hier als Partner positionieren, die die Qualität und Wertigkeit der Häuser mit ihren Konzepten fundiert unterstützen. Die Brillux Farbstudios, an acht Standorten bundesweit vor Ort, bringen ihre farbpsychologischen und praktischen Erfahrungen beim Entwurf gern ein.

Marco Bock, Projektmanager Brillux Farbstudios
Fotos: Brillux
Quelle: Malerblatt 01/2013
 

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