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Altes Pfarrhaus, Kernen

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Altes Pfarrhaus, Kernen
Energetische Modernisierung
Farbkonzept
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Das denkmalgeschützte Alte Pfarrhaus in Kernen im Remstal beherbergt nach einer Sanierung den örtlichen Polizeiposten.

Bis zu seinem Umzug war der Polizeiposten in Kernen im Remstal in beengten Räumlichkeiten untergebracht. Das neue Polizeidomizil hat eine wechselvolle Geschichte: Es war nicht nur Pfarrhaus, sondern auch Bauamt, Wohnhaus und schließlich Obdachlosenunterkunft, bevor nach sorgfältigen und mit Sinn fürs Detail ausgeführten Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr die Polizei einzog. Der von einer hohen Mauer eingefasste ehemalige Pfarrhof bildet mit Pfarrhaus, Nebengebäuden und der evangelischen Kirche ein kulturhistorisch bedeutendes Ensemble und prägt durch seine zentrale und exponierte Lage das Ortsbild der schwäbischen Gemeinde. Die bauliche Kernsubstanz stammt aus dem 16. Jahrhundert, das Bauwerk wurde jedoch in späteren Umbauphasen mehrfach verändert. „Um Kenntnisse über originale Bauteile und mögliche Schäden an der Konstruktion zu bekommen, mussten wir Wände, Decken und Böden öffnen. Zur Befundung der Putz, Farb- und Tapetenreste wurden Fachleute hinzugezogen", so Architekt Christoph Fetzer. Außen wiesen die Fachwerkwände Feuchtigkeitsschäden und Salzausblühungen auf, die Natursteine am Sockel entlang der westlichen Traufseite waren verwittert und die Dachdeckung war abgängig. Glücklicherweise waren keine Schäden an der konstruktiven Bausubstanz erkennbar, die Instandsetzungsarbeiten innen beschränkten sich daher auf die Ausbaugewerke. Die alten Parkett- und Holzdielenböden und die charakteristischen Stuckdecken wurden restauriert und aufgefrischt, die Innentreppe wurde neu belegt und gestrichen, blieb ansonsten aber nahezu unverändert. Darüber hinaus hat man das Gebäude der neuen Nutzung als Polizeiposten angepasst, wobei Eingriffe in die historische Bausubstanz vermieden wurden.

Die nördliche Giebelwand des Alten Pfarrhauses in Kernen mit Sichtfachwerk.Fotos: Keimfarben

 


 

Energetische Modernisierung

Zur Verbesserung des baulichen Wärmeschutzes und zur Energieeinsparung wurden alle Fassaden bis auf die nördliche Sichtfachwerkwand mit einem Wärmedämm-Verbundsystem gedämmt, die Dachflächen zwischen den Sparren voll ausgedämmt und mit einer Zusatzdämmschicht versehen. Um die historisch wertvolle Fachwerkgiebelwand zu erhalten, kam als Wärmeschutz nur eine Innendämmung infrage. Hier wurden außen lediglich die Schäden an Holz und Gefachen ausgebessert und mit einem neuen Anstrich versehen. In Sachen Dämmung haben sich die Verantwortlichen ganz bewusst für diffusionsoffene, mineralische Wärmedämm-Verbundsysteme der Firma Keim entschieden. „Fachwerk lebt und muss atmen. Eine luftdichte Verpackung zersetzt selbst jahrhundertealtes Eichenholz binnen weniger Jahre", begründet Christoph Fetzer. „Die Vorteile einer mineralischen Wärmedämmung sind – neben hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften – Witterungsbeständigkeit, hoher Brandschutz, Langlebigkeit und gestalterische Freiheit." Die verputzten Außenfassaden wurden mit einem Wärme-dämm-Verbundsystem mit angeklebten Mineralwolle-Lamellenplatten versehen. Der Architekt ist überzeugt: „Diese Platten haben eine lebendige Oberflächenoptik, die den besonderen handwerklichen Charakter des historischen Gebäudes unterstützt. Solche Abweichungen von heute üblichen Genauig-keitsstandards gehören einfach zu einem Fachwerkhaus und machen einen Teil seines Charmes aus." Eine Dämmung der Innenwände ist im Vergleich zu einer Außendämmung immer nur die zweitbeste Lösung. Bei der Sanierung des Alten Pfarrhauses war eine Innendämmung jedoch die einzige Möglichkeit, die Sichtfachwerkfassade energetisch aufzurüsten. Problem jeder Innendämmung ist, dass der Taupunkt nach innen wandert, wodurch die Gefahr von Feuchtigkeitsbildung besteht. Das verwendete System setzt auf diffusionsoffene, kapillaraktive Dämmmaterialien, welche die Feuchtigkeit aufnehmen und regulieren.

Glücklicherweise konnte ein Großteil der sanierungsfähigen Bausubstanz erhalten werden.


Farbkonzept

Die verputzten Fassadenflächen wurden ebenso wie die Gefache der Fachwerkwand in einem gebrochenen Weißton gefasst, das Sockelgeschoss ockergelb und die Natursteingewände in einem hellen Grau. Das Holzfachwerk ließ man hellgrau deckend lackieren, die Fenster mit Futter in einem mittelgrauen Farbton. Farbakzente setzen die rotbraun lackierten Fensterläden und die Eingangstüre. Das Fachwerk und die Türen samt Futter wurden hellgrau gestrichen. Farbtupfer ist hier die rotbraun lackierte Treppe mit ihren ockerfarbigen Staketen. Die besondere Qualität der Sanierung zeigt sich im Feingespür der Planer für die historische Substanz. Sie beweist zugleich, dass Denkmalpflege und besondere Nutzungsanforderungen durchaus in Einklang zu bringen sind.


Die Giebelseite mit Sichtfachwerk wurde mit einer mineralischen Innendämmung gedämmt.

Fotos: Keimfarben
Quelle: Malerblatt 04/2013
 

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