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Altstadt Frankfurt/Main

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Altstadt Frankfurt/Main
Farblich abgestimmt
Farbtöne
Exakte Vorgaben
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In Frankfurt/Main wurde die frühere Altstadt nachgebildet: Sie sollte wieder so aussehen wie vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg.

Fachwerk, Innenhöfe, figürlicher Schmuck und Vergoldungsarbeiten spielen jetzt wieder eine große Rolle.

Woher weiß man, wie die Fassaden der Vorkriegshäuser, die ja aus verschiedenen Jahrhunderten stammten, ausgesehen haben? Die meisten Fotos aus damaliger Zeit sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Glücklicherweise konnten sich die Planer an einem, heute im Historischen Museum Frankfurt ausgestellten, Modell orientieren. Zwei Brüder aus Frankfurt, hatten die Altstadt in den Jahren 1926 bis 1962 maßstabgerecht nachgebaut. Die Farben dieser Miniaturbauten und ihre Aufzeichnungen waren Orientierungshilfen bei der Erstellung des Farbkonzepts.

Im Airbrush-Verfahren bildete Restaurator Heinrich Paulus-Füller jene 15 Gebäude ab, die detailgetreu rekonstruiert werden sollten. Zwanzig „schöpferische Neubauten“ ergänzen das Ensemble zwischen Dom und Römer.


Farblich abgestimmt

Mit der Farbmasterplanung wurde Markus Schlegel, Professor für Farbdesign, beauftragt. Seine Aufgabe war es, die „schöpferischen Neubauten“ mit den rekonstruierten Gebäuden farblich in Einklang zu bringen. Dabei musste der Denkmalschutz ebenso berücksichtigt werden wie die unterschiedlichen Vorstellungen der Architekten, Bauherren und des Gestaltungsbeirats der Stadt Frankfurt. Schlegel erstellte den Farbmasterplan für Fassaden und Fenster, damit die Gebäudetypen zusammen „eine stimmige Komposition“ und ein schlüssiges Altstadtbild ergeben. „Wir haben dazu zunächst aus Paulus-Füllers Farbanalyse für die Rekonstruktionen konkret Farbtöne extrahiert und diese mit einer neu entwickelten Farbgebung für die schöpferischen Neubauten zusammengeführt“, erklärt Schlegel.

Da es wegen der Enge der Straßen im neuen Dom-Römer-Quartier und der laufenden Bauarbeiten nicht möglich war, die Wirkung der Farbtöne und Oberflächenstrukturen an Ort und Stelle zu testen, wurde das Altstadtareal im Jahr 2014 im Maßstab 1:5 nachgebaut. 2,20 Meter hohe Farbmuster stellten die Fassaden und in der Gesamtansicht einzelne Häuserzeilen dar.

Der Hühnermarkt: Vor dem blauen Haus „Zur Flechte“ erinnert ein Brunnen an den Heimatdichter Friedrich Stoltze.


Farbtöne

Wichtig war für Schlegel, dass zum Beispiel der Dom eine farbliche Bühne bekommen hat: Denn er ist einer der Kopfbauten des Quartiers und seine Farbigkeit wird auf der Blickachse vom Römer zum Kirchturm aufgenommen und in Rotnuancen gespiegelt.

Ein Großteil der Außenflächen wurde mit Fassadenkalk oder mit Silikatfarbe gestrichen, und für die Holzbauteile wurde Leinölfarbe verwendet. „Moderne Architektur ist viel farbiger, weil es heute ja ganz andere Pigmente als im 19. Jahrhundert gibt“, erklärt Dr. Christian Brandes, Experte für hochwertige Altbaurenovierung. In ihrer Haptik entsprächen Silikatfarben am ehesten dem historischen Vorbild, aber auch Kalkfarben, die in der Verarbeitung allerdings aufwendiger sind.

Der Arm mit der „Goldenen Waage“ ist eine detailgetreue Replik des 400 Jahre alten Originals.


Exakte Vorgaben

Für die beteiligten Malerfirmen war die Logistik das größte Problem. Da es kaum Lagermöglichkeiten auf dem Gelände gab, mussten die Farben „just in time“ angeliefert und auf einem winzigen Platz abgestellt werden. Zeitweise konnte für den Transport des Materials ein Kran genutzt werden, häufiger mussten es die Mitarbeiter selbst in die oberen Stockwerke schleppen.

„Das war eine noch nie da gewesene planerische und gestalterische Herausforderung“, sagt Guido Mensinger von den Malerwerkstätten Mensinger über das Dom-Römer-Projekt. „Wir haben auf dem Gelände zwei Rekonstruktionen und achtzehn gestalterische Neubauten errichtet, insgesamt also 20 Fassadengestaltungen“. Die Farbgestaltung der zwei Rekonstruktionsbauten fand er wegen der exakt einzuhaltenden Vorgaben unkomplizierter als die der gestalterischen achtzehn Neubauten. Denn bei diesen musste moderne Gebäudetechnik mit den Wünschen der Architekten in Übereinstimmung gebracht werden.

Fünf Rekonstruktionsfassaden hat die Firma Steuernagel und Lampert mit Histolith-Beschichtungen angelegt, darunter auch die „Goldene Waage“. Der rekonstruierte Renaissancebau mit seinen Goldverzierungen und den integrierten Spolien (Originalstücken des Originalgebäudes) ist der „Star“ der neuen Altstadt. Das Fachwerk der Fassade besteht aus altem Eichenholz aus historischen Bauten. „Für die Beschichtung der Fachwerkfassaden von Goldener Waage und Rebstockhof wurde von uns die Leinölfarbe mit Echtpigmenten aus der Region abgetönt“, sagt Jörg Held. So wurde ein möglichst authentisches Aussehen erzielt.

Beim Streichen der Holzdecke des Rebstockhofs in der Braubachstraße verwendete die Firma Alkyd Geo, ein neuartiges Lackbindemittel, das zu 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird.


„Hof zum Rebstock“ heißt dieses rekonstruierte barocke Wohn-und Wirtschaftsgebäude mit den verzierten doppelten Holzgalerien.


Weitere Infos: www.domroemer.de


Verwendete Produkte

  • Histolith Fassadenkalk
  • Histolith Leinölfarbe
  • Sol-Silicatfarbe
  • Alkyd Geo Lackbindemittel



Autorin: Petra Neumann-Prystaj

Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz/Claus Graubner

Quelle: Malerblatt 11/2018



 

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