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Schimmel im Bad

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Badezimmer sind geradezu prädestiniert für einen Schimmelbefall. Doch es gibt einige Möglichkeiten dagegen.

 

Schimmelpilze sind allgegenwärtig vorhandene Mikroorganismen, die für das Funktionieren der natürlichen Umwelt unverzichtbar sind. Sie halten zusammen mit anderen Mikroorganismen und Kleinstlebewesen die globalen Stoffkreisläufe am Leben, zersetzen tote Materie und sorgen so für die erneute Bereitstellung von Nährstoffen für andere Lebewesen. Was in der Natur absolut unverzichtbar ist, versucht der Mensch aus seinem Wohnumfeld fernzuhalten. Verständlich, denn Schimmelpilze sind nicht nur ein optisches Manko, sondern stellen auch ein gesundheitliches Risiko für Menschen dar.

In Anbetracht der notwendigen Voraussetzungen für das Wachstum von Schimmelpilzen, nämlich Feuchtigkeit und geringe Mengen organischer Nährstoffe, wird klar, weshalb sich diese Lebensformen vorwiegend in Badezimmern ansiedeln. Bereiche der Außenwand, Fensterleibungen, Siliconfugen und Duschvorhänge locken häufig den ungebetenen Gast und versorgen ihn mit der notwendigen Feuchtigkeit. Außer feinsten Staubablagerungen dienen den Pilzen auch Seifen- und Shampoorückstände als Nährstoff. Das Badezimmer bietet demnach alles, was ein Schimmelpilz zum Wachstum benötigt. Dennoch existieren zahlreiche Möglichkeiten dem Schimmelpilz entgegenzutreten. Sei es durch angepasstes Heizungs- bzw. Lüftungsverhalten, Anlagentechnik oder intelligenten Einsatz nützlicher Baustoffe.

Wie erwähnt, benötigen Schimmelpilze Feuchtigkeit – und das nicht zwingend in Form von flüssigem Wasser. Ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent (entspricht aw-Wert = 0,7) können diese Organismen gedeihen. Um Schimmelpilze zu vermeiden, ist es demnach entscheidend, die Luftfeuchtigkeit in einem Bereich von <60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit dauerhaft zu halten. Feuchtespitzen, wie sie während bzw. direkt nach dem Duschen oder Baden entstehen, können durch gezieltes Lüften und Heizen abgefangen werden.

Für Belüftung sorgen

Im Idealfall wird direkt nach einem Bad oder Duschbad die sogenannte Quer- oder Stoßlüftung durchgeführt. Ist das nicht möglich, sollte das Fenster vollständig geöffnet werden. Je nach Außentemperatur reichen häufig schon wenige Minuten, um auf diese Weise einen Großteil der feuchten Raumluft durch Frischluft zu ersetzen. Wird nun die eingeströmte Außenluft erwärmt, reduziert sich insbesondere bei kühlen Außentemperaturen die relative Luftfeuchtigkeit auf ein unkritisches Maß. Zusätzlich kann es hilfreich sein, nach jedem Duschen oder Baden die Nässe mit einem Gummiabzieher von den Fliesen zu entfernen. So kann das Wasser direkt in den Abfluss fließen und muss nicht erst langsam in die Raumluft verdunsten. Mit einem trockenen Tuch können zudem die Siliconfugen von Wassertropfen befreit werden. Auf diese Weise wird das Risiko der Schimmelbildung bereits auf ein Minimum reduziert.

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen das beschriebene Wohnverhalten alleine nicht ausreicht, um die Schimmelpilzproblematik in den Griff zu bekommen. Auch wird vermutlich nur eine Minderheit das beschriebene Wohnverhalten regelmäßig praktizieren. Abgesehen vom Lüften und Heizen gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten, unerwünschten Schimmelbefall in Baderäumen zu vermeiden. Durch bauliche Maßnahmen bzw. Veränderungen können Schwachstellen gezielt bearbeitet und Schimmelpilze vermieden werden.

Abgesehen von der klassischen Lüftung über das Öffnen der Fenster lässt sich der notwendige Luftaustausch durch Anlagentechnik steuern. Die Installation von Lüftungsanlagen stellt eine effiziente Möglichkeit dar, dem Raum die anfallende Feuchte zu entziehen und die relative Luftfeuchtigkeit auf einem unkritischen Wert zu halten. Der Vorteil moderner Anlagen ergibt sich vor allem aus der selbstständigen Steuerung und dem nutzerunabhängigen Betrieb. Je nach Investitionsbereitschaft können einfache ventilatorgestützte Systeme bis hin zu energieeffizienten Anlagen mit Wärmerückgewinntechniken installiert werden. Lüftungsvorrichtungen werden in Zukunft eine immer größere Rolle bei der Sanierung von Gebäuden und bei Neubauten spielen. Der erste Schritt in diese Richtung wurde bereits 2009 mit der Überarbeitung der Lüftungsnorm DIN 1946-6 gemacht. Nach dieser Norm muss bei Neubauten und umfangreichen Renovierungen ein Lüftungskonzept erstellt werden. Berücksichtigt wird dabei die „Dichtigkeit“ des Bauwerks. Sollten die Berechnungen ergeben, dass die Infiltration über die Gebäudehülle (die sogenannte Fugenlüftung) zum Feuchteschutz nicht ausreicht, ist eine lüftungstechnische Maßnahme in Form eines freien oder ventilatorgestützten Lüftungssystems erforderlich. (Nähere Informationen zur DIN 1946-6 unter www.wohnungs lueftung-ev.de).

Wärmebrücken

Zu den am häufigsten von Schimmelbefall betroffenen Flächen eines Badezimmers gehören zweifelsohne die Außenwände, Fensterleibungen und vor allem die Eckbereiche zwischen Außenwand und Decke. Der Grund dafür ist die geringere Oberflächentemperatur. Bei schwach gedämmten Gebäuden kann die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an der kühlen Wandoberfläche weit höher sein als im Raum selbst. Das hängt mit der kühlen Luftschicht an der Bauteiloberfläche zusammen. Eine Oberflächentemperatur unterhalb von 12,6 Grad Celsius gilt als besonders kritisch. Dieser Wert findet sich auch in der DIN 4108-2 Mindestanforderungen an den Wärmeschutz. Bei einer Raumlufttemperatur von 20 Grad Celsius und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, was zunächst harmlos klingt, würde die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an einer 12,6 Grad Celsius kühlen Oberfläche 80 Prozent betragen (aw-Wert = 0,8). Bei diesem Wert ist selbst eine regelmäßige Lüftung kein Garant für schimmelfreie Oberflächen. Die Erhöhung der Oberflächentemperatur ist in diesen Fällen erstrebenswert. Fassadendämmung nach aktuellen Vorgaben der EnEV würde Abhilfe schaffen. Ist das nicht möglich, kann eine vollflächige oder partielle Innendämmung angebracht werden. In diesem Zusammenhang ist es ratsam, sorptionsfähige Dämmsysteme wie z.B. Calciumsilicat oder Mineralschaum einzusetzen. Fachgerecht verbaut, bieten diese Baustoffe, abgesehen von ihrer geringen Wärmeleitfähigkeit, einen Feuchtepuffer. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wird Wasserdampf vom Dämmstoff aufgenommen und der Raumluft entzogen. Sobald sich die Feuchtigkeit im Raum verringert hat, z.B. durch Lüften, wird die gespeicherte Feuchte aus den Platten wieder an die Raumluft abgegeben. Durch diesen Effekt können Feuchtespitzen abgefangen werden. Dämmmaterial kann bei Bedarf auch nur partiell an gefährdeten Wandbereichen oder Ecken angebracht werden. Von der Industrie werden zu diesem Zweck unterschiedlich dimensionierte und angepasste Dämmkeile angeboten.

Sorptionsfähige Oberfläche

Die soeben beschriebene Sorptionsfähigkeit, wie sie neben den erwähnten Dämmstoffen auch für Kalkputze charakteristisch ist, kann einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der Schimmelpilzbildung leisten. Je größer der Anteil sorptionsfähiger Oberflächen in einem Badezimmer ist, desto mehr anfallende Feuchtigkeit kann der Raumluft zunächst entzogen werden. Natürlich sind die Speicherkapazitäten der Baustoffe nicht unbegrenzt. Das eingelagerte Wasser muss wieder heraus und das kann nur durch Lüften gewährleistet werden. Bis vor einigen Jahren war es noch absolut üblich, Wandflächen innerhalb der Baderäume vollständig mit glasierten Fliesen zu belegen. Diese Art der Wandgestaltung bringt Vorteile bei der Reinigung und ist nahezu unverwüstlich, der Nachteil ergibt sich aus dem verringerten Anteil sorptionsfähiger Oberflächen, der sich bei den beschriebenen Räumen lediglich auf die Deckenfläche und das Fugenbild beschränkt. Bei anstehender Badsanierung kann der Anteil gefliester Wandflächen reduziert und durch eine sorptionsfähige Putzschicht ersetzt werden. Wandflächen, die nicht permanent mit Spritzwasser belastet werden, können getrost von Fliesen befreit werden. Die anschließende Oberflächengestaltung kann mit minera- lischen Putzen und diffusionsfähi- gen Beschichtungssystemen erfolgen. Durch derartige Sanierung wird nicht nur ein modernes und freundlicheres Erscheinungsbild der Baderäume erzeugt, sondern auch das Pufferpotenzial der Oberflächen in Bezug auf Wasserdampf erhöht, was letztlich zur Reduzierung der Schimmelpilzbildung führen kann.

Beschichtungssysteme

Auf keinen Fall sollten in schimmelpilzgefährdeten Bereichen anfällige Produkte wie Papiertapete oder Zellulosekleister verwendet werden. Diese Stoffe dienen den Schimmelpilzen als idealer Nährstoff und fördern somit deren Wachstum. Wird in einem Badezimmer erst einmal Schimmel entdeckt, gilt es, umgehend die Ursache ausfindig zu machen, diese möglichst abzustellen sowie den vorhandenen Schimmel und bei Bedarf auch das befallene Material zu entfernen. Sofern die Feuchtigkeitsursache sicher abgestellt ist und die befallenen Bereiche erfolgreich vorbehandelt wurden, können die Flächen mit herkömmlichen Beschichtungsstoffen auf Dispersions- oder Silicatbasis wieder gestaltet werden. Wenn jedoch die Feuchtigkeitsursache nicht ermittelt oder nicht gänzlich abgestellt werden konnte, stellen Anti-Schimmelfarben mit Langzeit-Schimmelschutz (wie z.B. Caparol Indeko-W) eine Möglichkeit dar, das Wachstum dieser Mikroorganismen über einen längeren Zeitraum zu verhindern. Diese Farben dienen der Verzögerung eines (erneuten) Schimmelbefalls durch den Farbauftrag an schimmelgefährdeten Stellen. Sie sind nicht in der Lage, Feuchtigkeitsursachen zu bekämpfen bzw. zu beseitigen. Eine anstrichtechnische Sanierung ohne Beseitigung der Ursachen stellt nicht immer eine Dauerlösung dar, da in Abhängigkeit der Feuchtebelastung mit einem erneuten, wenn auch zum Teil deutlich verzögerten Schimmelpilzwachstum zu rechnen ist.

Oberflächlicher Schimmelbefall an Wand- und Deckenflächen ist vergleichsweise harmlos, wenn man bedenkt, welche Folgen undichte Anschlüsse und Siliconfugen haben können. Flankenabriss der Fuge zwischen Dusch- bzw. Badewanne und der Wandfläche können ein erhebliches Risiko darstellen. Das abfließende Wasser kriecht selbst durch die kleinsten Öffnungen in den Untergrund, in diesem Fall wäre das der Raum unterhalb der Wanne. Von dort aus ist der Weg in die Estrichkonstruktion nicht weit. Selbst geringe Wassermengen können sich auf Dauer anreichern, da es dort nur sehr langsam verdunsten kann. Somit kann es zur Durchfeuchtung der Estrichkonstruktion samt Dämmschicht kommen. Im schlimmsten Fall kann sich die Feuchtigkeit sogar unbemerkt auf die benachbarten Räume ausbreiten.

Fugen regelmäßig warten

Wo Feuchte verfügbar ist, lässt auch der Schimmel nicht lange auf sich warten, so auch in diesen Fällen, insbesondere wenn der Schaden über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleibt. Durch Anschlüsse und kleinere Spalten können sich die Schimmelsporen unbemerkt in der Raumluft ausbreiten. Das stellt eine gesundheitliche Gefährdung für die Bewohner dar und führt zur Kontamination weiterer Räume. Die notwendige Trockenlegung durchfeuchteter Estrichkonstruktion ist sehr aufwendig und kostspielig. In den meisten Fällen ist eine zusätzliche Desinfektion der Hohlräume notwendig. In Extremfällen hilft nur noch die Öffnung durchfeuchteter Bereiche. Daher ist es wichtig, Dichtungsfugen und Anschlüsse regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf rechtzeitig auszutauschen oder nachzubessern. Fugen unter ständiger Nassbelastung gehören zu den sogenannten Wartungsfugen. In der DIN EN 52460 (Fugen- und Glasabdichtungen – Begriffe) heißt es dazu: Eine Wartungsfuge ist eine starken chemischen, biologischen und/oder physikalischen Einflüssen ausgesetzte Fuge, deren Dichtstoff in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und gegebenenfalls erneuert werden muss, um Folgeschäden zu vermeiden.

Rudolf Kolb, Caparol
Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz


 

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