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Home Wärmedämm-Verbundsysteme Grundlagen Dichtstoffe überstreichen Teil 1

Dichtstoffe überstreichen Teil 1

Welche Normen und Richtlinien gibt es für die Überarbeitung von Dichtstoffen und wann werden sie angewandt?

Fugen haben am Gesamtvolumen eines Auftrages meist nur einen geringen Anteil – für die Funktionalität und den Erhalt der Bausubstanz sind sie jedoch von größter Bedeutung. Mit der richtigen Abdichtung ist es jedoch manchmal nicht getan: Oft kommen Dichtstoffe mit vorhandenen oder folgenden Anstrichmitteln in Berührung oder sollen sogar überstrichen werden. Doch wann ist ein Dichtstoff überstreichbar und wann nur anstrichverträglich?

Normen und Regelwerke

Nach DIN 52460 ist eine Fuge der beabsichtigte oder toleranzbedingte Raum zwischen zwei Bauteilen. Doch so unterschiedlich die Bereiche sind, in denen diese Räume vorkommen, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Eigenschaften des Dichtstoffs, mit dem sie verschlossen werden. Dies ist nicht nur für die Wahl des richtigen Produkts von Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf die Verträglichkeit mit einer nachfolgenden oder vorhergehenden Beschichtung. Grundsätzlich wird zwischen den Bezeichnungen „anstrichverträglich“ und „überstreichbar“ unterschieden. Ein Dichtstoff ist dann anstrichverträglich, wenn er auf einem bestehenden Beschichtungsstoff eingesetzt und außerdem bis 1 Millimeter im Randbereich mit einem neuen Anstrichmittel beschichtet werden kann – ohne dass sich dabei schädigende Wechselwirkungen wie Verlaufsstörungen, Verfärbungen oder Erweichungen einstellen. Überstreichbar im Sinne der DIN 52460 sind hingegen Dichtstoffe, die vollflächig mit einem oder mehreren Anstrichen beschichtet werden können, ohne dass sich Risse oder oben beschriebene Wechselwirkungen ergeben. Fugen, die eine Abdichtung mit einer elastischen Masse erfordern, sollten grundsätzlich nicht überstrichen werden. Die Dehn- und Stauchbewegungen des Materials würden in solchen Fällen jedes Beschichtungssystem überfordern. Aber es gibt eine Ausnahme, die in dieser Serie erläutert wird. Die DIN 52452 gibt an, inwiefern ein Dichtstoff anstrichverträglich ist. Dies wird in Teil 4 anhand von drei Prüfmethoden festgelegt.

  • Prüfmethode A1: Verträglichkeit zwischen vorhandenem Farbsystem und nachfolgend aufgetragenem Dichtstoff.
  • Prüfmethode A2: Verträglichkeit zwischen vorhandenem ausreagiertem Dichtstoff und nachträglich aufgetragenem Farbsystem im angrenzenden Bereich.
  • Prüfmethode A3: Beurteilung einer Beschichtung im Bereich der Dichtstoffoberfläche.

Daraus ergeben sich – je nachdem, welche dieser Prüfungen der Dichtstoff besteht – folgende Bezeichnungen: A1: eingeschränkt anstrichverträglich, A1 und A2: universell anstrichverträglich, A1, A2 und A3: überstreichbar.

Weitere Informationen zur Klassifizierung von Dichtstoffen, etwa zur CE- Kennzeichnung und Einteilung nach elastischem beziehungsweise plastischem Verhalten, liefert das IVD-Merkblatt Nr. 2.

Anschlussfugen

Als Anschlussfugen werden solche Fugen bezeichnet, die zwischen zwei Bauteilen aus unterschiedlichen Materialien oder mit unterschiedlicher Funktion bestehen. Soll ihre Abdichtung mit einer Beschichtung kombiniert werden, so ist vor allem relevant, welche Materialien versiegelt und welche Ansprüche an die Fuge gestellt werden. Nicht für alle Fugen bestehen technische Regelwerke. Dies ist unter anderem im Innenbereich, bei Anschlussfugen von Sockelleisten an Wandflächen oder an Fensterbänken der Fall. Sie alle gelten als gering dehnungsbeanspruchte Anschlussfugen im Innenbereich, die keinen Anspruch an eine technische Funktion erfüllen müssen. Da sie die Bewegungen der Bauteile nur in geringem Maße ausgleichen müssen, ist für diese Art von Fugen ein Dichtstoff mit einer zulässigen Gesamtverformung (ZGV) von 12,5 Prozent ausreichend.

Besonders eignen sich also – vor allem im Innenbereich – überwiegend plastische Produkte auf der Basis von Acrylaten. Hierzu gehören auch Sista F130 Anschluss und F130 Premium Acryl. Beide Produkte sind nach DIN 52452, Teil 4, Prüfmethode A1, A2 und A3 komplett überstreichbar. Die Dichtstoffe können also nicht nur auf vorhandene Beschichtungen aufgetragen, sondern nach der Trocknung auch über die gesamte Fläche der Fuge mit einem Anstrich versehen werden – mit Ausnahme rein mineralischer Anstrichmittel.

Stärker beanspruchte Anschlussfugen finden sich an Fenstern und Außentüren und sind generell größeren Belastungen ausgesetzt. Dies ist Kräften geschuldet, die wegen großer Temperaturunterschiede entstehen: Im Winter ziehen sich die Bauteile aufgrund der Kälte zusammen, die Fuge wird breiter; im Sommer dehnen sie sich aus und führen zu einer Verringerung der Fugenbreite. Solche Dimensionsänderungen muss der Dichtstoff sicher ausgleichen und aushalten können, weshalb er über eine hohe Elastizität verfügen sollte, also eine ZGV von mindestens 25 Prozent. Diese Anforderungen erfüllt Sista F154.

Bei diesem Produkt handelt es sich um ein MS Polymer, also einen neutralvernetzenden Dichtstoff. Auch der Acrylatdichtstoff F134 kann für stark dehnungsbeanspruchte Anschlussfugen verwendet werden. Beide Produkte sind gemäß DIN 52452, Prüfmethode A1 und A2 universell anstrichverträglich. Sie können also auf bereits bestehende Anstriche aufgetragen sowie im Fugenrandbereich bis zu 1 mm überstrichen werden. Elastische Dichtstoffe wie Sista F154 und F134, die in der Regel nicht überstrichen werden, müssen gerade im Außenbereich über eine gute UV- und Wetterbeständigkeit verfügen. Bei zu überstreichenden Materialien stehen diese Eigenschaften nicht im Fokus.

Feuchtraumbereich

In Sanitär- und Feuchträumen sind Dichtstoffe besonders starken mechanischen und chemischen Einflüssen ausgesetzt. Sie müssen gut zu reinigen und mit den verschiedensten Untergründen verträglich sein, etwa Acryl, Emaille oder Keramik. Besonders eignen sich hier silikonbasierte Produkte, die auf vielen Materialien auch ohne Primer exzellent haften und über eine ZGV von 25 Prozent verfügen. Diese müssen fungizid ausgerüstet sein, um einem allzu schnellen Schimmelbefall vorzubeugen, wie etwa Sista F101 Sanitär.

Sanitärsilikone werden in der Regel nicht beschichtet und eher selten auf Anstrichmitteln eingesetzt, weshalb es bezüglich ihrer Anstrichverträglichkeit oder Überstreichbarkeit meist keine Auslobung oder Prüfung gibt. Um trotzdem farbig arbeiten zu können, sind Sanitärsilikone wie F101 Sanitär nicht nur in den Standardfarben, sondern auf Bestellung auch in insgesamt 77 verschiedenen Farbtönen erhältlich. Fugen in Sanitär- und Feuchträumen gelten als Fugen mit eingeschränkter Haftung beziehungsweise Wartungsfugen, die in regelmäßigen Abständen überprüft und gegebenenfalls erneuert werden müssen. Dies kann ein planbares Zusatzgeschäft darstellen.

Susanne Reichte Kate, Leiterin des Teams Technik Reno Deko Deutschland, Henkel

praxisplus

Weitere Informationen zu den angesprochenen Fugenarten:

IVD-Merkblatt 9 „Spritzbare Dicht-stoffe in der Anschlussfuge für Fenster und Außentüren“
BFS-Merkblatt Nr. 23, Sista-Beratungsblatt „Anschlussfugen von Bauelementen“
Ausführliche Informationen zu Fugen in Sanitär- und Feuchträumen enthält das IDV-Merkblatt Nr. 3 sowie das Sista-Beratungsblatt „Sanitärfugen“.

www.sista.de

Quelle: Malerblatt 08/2015
 

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