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WDVS - Kritische Betrachtung

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Wärmedämm-Verbundsysteme haben sich vor allem als CO2-Einsparungsmaßnahme und zur Reduzierung von Heizkosten bewährt.

Trotzdem wird immer wieder scharfe Kritik an der Außendämmung geäußert. Das Malerblatt wollte von Dipl.-Ing. Mark-Otto Grünefeldt, zuständig für den Bereich WDVS bei Brillux, wissen, ob diese Kritik gerechtfertigt ist.

Herr Grünefeldt, von einigen Kritikern wird behauptet, dass ein WDVS gar nichts bringe, da es z.B. die kostenlose Sonnenenergie aussperre. Was ist da dran?

So gut wie nichts. Natürlich wird durch Wärmedämmung auch der Eintrag von außenseitiger Wärme nach innen reduziert, was vor allem im Sommer vorteilhaft ist. Allerdings findet ein Wärmegewinn durch Solarstrahlung über opake, also undurchsichtige Außenwände leider nur in geringem Umfang statt und liegt unabhängig des U-Wertes bei unter fünf Prozent in Bezug auf den Transmissionswärmeverlust. Die Solarstrahlung hat zwar auch im Winter eine hohe Leistung, aber entgegen dem Wunschdenken mancher Kritiker erwärmt sie nicht das ganze Mauerwerk, sondern in Abhängigkeit des Farbtons nur die außenseitige Oberfläche. Der größte Teil dieser Wärme wird direkt an die Außenluft durch Konvektion sowie an die Umgebung und den Himmel durch langwellige Abstrahlung wieder abgegeben.
Wenn dem nicht so wäre, müsste man ungedämmte Ziegelbauten nicht beheizen und hätte im Sommer Temperaturen von über 40° C.

Aber leichte Dämmstoffe, wie EPS haben doch keine Wärmespeicherfähigkeit und hohes Wärmespeichervermögen soll doch anscheinend gut für die „Solarabsorption“ sein?

Auch das ist wieder ein Denkfehler. Natürlich nehmen speicherfähige Außenbauteile mehr Wärme mit in die Nacht hinein und führen dazu, dass man nachts weniger heizen muss als tagsüber. Am Tag erwärmen sie sich jedoch nicht so schnell und erreichen nicht die Temperaturen wie leichte Baustoffe, so dass man dann mehr heizen muss. Somit gleicht sich dieser Wärmespeichereffekt im Laufe des Tag-Nacht-Rhythmus wieder aus.
Anders verhält es sich bei Solarstrahlung, die direkt über Fenster das Gebäude von innen erwärmt. Da sind natürlich speicherfähige Innenbauteile vorteilhafter, da sie verhindern, dass sich der Innenraum tagsüber zu sehr aufheizt und die kostenlose Sonnenenergie weggelüftet wird.

Das heißt, dass die optimale Außenwand schwer ist, also z.B. aus Kalksandstein besteht und außenseitig mit WDVS gedämmt ist?

Ja, genau!


Wie sieht es mit der Behauptung aus, dass gedämmte Fassaden „absaufen“ und Schimmelpilzbildung verursachen?

Diese verbreitete Behauptung ist die mit Abstand absurdeste, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn WDV-Systeme tatsächlich regelmäßig „absaufen“ würden, dann würden sie sicherlich nicht seit mehr als 40 Jahren erfolgreich verbaut. Die gedämmten, wärmeren Außenwände führen dazu, dass eben kein Schimmel auftritt. Teilweise wurden und werden Altbauten nur deshalb gedämmt, um dem Schimmel Herr zu werden. Es gibt zwar Einzelfälle, wo Fassaden- bzw. Feuchteschäden entstanden sind – was die Kritiker dann fälschlicherweise auf die Wasserdampfdiffusion zurückführen – diese treten jedoch nur dann auf, wenn durch mangelhafte Anschlüsse Regenwasser in das System eindringt. Wer auf bewährte Systemanbieter sowie Fachbetriebe zurückgreift und nicht am falschen Ende spart, wird von diesem Problem verschont bleiben.

Doch teilweise hört oder liest man, dass sich versprochene Einsparungen gar nicht einstellen. Sind WDVS also gar nicht so gut wie ihr Ruf?

Das ist eine berechtigte Frage. Das Problem sehe ich allerdings eher darin, dass derzeit das bewährte Fassadensanierungs-System WDVS teilweise falsch oder besser gesagt unglücklich übertrieben beworben wird. Wir reduzieren die Vorteile vor allem auf Heizkostenersparnis, Ressourcenschonung und Klimarettung. Wenn in Werbebroschüren steht, dass durch die Außenwände rund 40 Prozent Wärme verloren gehen, man aber gleichzeitig durch WDVS allein bis zu 50 Prozent Heizkosten einsparen kann, dann braucht man sich nicht wundern, wenn man in Verruf gerät.
Wenn wir Heizkostenersparnis oder gar Amortisierungen innerhalb weniger Jahre versprechen, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass man uns anprangert, wenn dies dann doch nicht eintritt.

Acht, zwölf oder gar sechzehn Zentimeter – welche Dämmstoffdicke ist wirklich sinnvoll? Fotos: Brillux


Woran liegt es, dass die versprochene Einsparung manchmal nicht eintritt?

Dafür gibt es neben der Heizungstechnik zwei Gründe:

1. Der Energieberater hat schlichtweg das ungedämmte Mauerwerk zu schlecht eingeschätzt. Dieser Umstand wird auch noch durch die Umsetzung des Energieausweises in Form der „vereinfachten Datenaufnahme“ vom Gesetzesgeber gefördert. Hier ein Beispiel: Bei einem Mauerwerk Baujahr 1930 darf man den U-Wert 1,7 W/m²·K zugrunde legen. In Wirklichkeit handelt es sich vielleicht aber um ein Bimsmauerwerk – eventuell innenseitig noch mit Holz verkleidet – mit einem tatsächlichen U-Wert von 1,2 W/m²·K. Dieser „kleine“ Annahmefehler führt allerdings zu einem erhöhten Wärmebedarf von rund fünf Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr (Faustformel: 0,1 W/m²·K entsprechen rund einem Liter Heizöl) bzw. eben zu einer um fünf Liter zu hoch geschätzten Einsparung nach der Dämmung.

2. „Energieberater“ und Bauherren verwechseln die Begriffe „Heizenergiebedarf“ und „Heizenergieverbrauch“. Der Heizenergiebedarf ist eine Größe, um die energetische Qualität von Gebäuden vergleichbar zu machen. Dies gelingt nur, wenn man standardisierte bzw. gleiche Randbedingungen voraussetzt. So wird zum einen das Klima unabhängig der Lage innerhalb Deutschlands auf ein Referenzklima bezogen, zum anderen wird selbstverständlich auch der Nutzer „genormt“. Man setzt hierbei voraus, dass die durchschnittliche Innenraumtemperatur aller Räume während der Heizperiode 19 Grad Celsius beträgt. Dass diese Randbedingungen zu einer bestimmten Objektsituation meistens nicht passen, müsste eigentlich jedem klar sein. Zum Beispiel hat das „Institut für Wohnen und Umwelt“ in einem Forschungsprojekt festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Innenraumtemperatur und Wärmedämmstandard sowie Wohnfläche gibt. Vor dem Hintergrund, dass manche Räume nicht oder nur teilweise und unmodernisierte Altbauten oft sparsamer beheizt werden, sind die tatsächlichen Raumtemperaturen um so niedriger, je schlechter der Wärmeschutz ist bzw. um so höher, je besser die Gebäude gedämmt sind. Als Faustformel ist allgemein bekannt, dass eine Temperaturerhöhung oder -reduzierung um ein Kelvin zu einem Mehrverbrauch bzw. einer Einsparung von rund 6 Prozent führt.

Das bedeutet also, dass Wärmedämmung im Altbau tatsächlich nicht viel bringt?

Nein, im Gegenteil. Das bedeutet nur, dass dort, wo wenig verbraucht wird, nicht so viel Energie eingespart werden kann. Es erhöht sich jedoch der Wohnkomfort und das Risiko von erkältungsbedingten und durch Sporen ausgelösten Krankheiten sinkt, da sich nun im Winter deutlich höhere Raumlufttemperaturen einstellen, die Außenwände wärmer sind und dadurch auch die Gefahr der Schimmelpilzbildung und Zuglufterscheinungen erheblich reduziert werden. Diese enorme Erhöhung der Lebensqualität wird leider in den Schatten gestellt, da nur einseitig über Heizkostenersparnis, Ressourcenschonung und Klimarettung geredet wird.
Nur zum Verständnis, es gibt zwei Vorteile bei WDVS, die oft komplementär sind: Heizkosteneinsparung und Wohnkomfort. Je nachdem, wie man vor und nach einer Sanierung heizt, hat man eben eine enorme Heizkostenersparnis oder einen erheblichen Behaglichkeitsgewinn, denken Sie an die bereits erwähnte Sechs-Prozent-Regel. Leider kann man nur den ersten Nutzen, nicht aber den zweiten monetär ermitteln. Bei denjenigen, die auch im unsanierten Zustand die meisten Räume behaglich heizen, wird die Dämmung natürlich bares Geld in die Kasse spülen.


Trägt ein WDVS oft also „nur“ zur Erhöhung der Lebensqualität bei?

Nein, denn zusätzlich zur Heizkosteneinsparung und Erhöhung der Lebensqualität verlängert sich durch ein WDVS die Lebensdauer der Bausubstanz, weil die tragenden Außenwände nunmehr ganzjährig der gleichen Temperatur (ca. 16 bis 20 °C) ausgesetzt sind und nicht mehr durch Regenwasser belastet werden, sondern trocken bleiben. Bei schadhaften, z.B. gerissenen Fassaden ist das WDVS oft die einzig wirklich sinnvolle und dauerhafte Sanierungsmethode. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Wertverlust älterer unsanierter Gebäude erheblich größer sein kann als die Kosten eines WDVS. Das bedeutet, dass eine Immobilie nach 20 Jahren einen deutlich höheren Wert hat, als wenn sie ungedämmt wäre.

Das heißt, dass ein WDVS sich trotzdem rentiert, auch wenn die Kosten teilweise etwas hoch sein können?

Genau, und man sollte jetzt auch noch berücksichtigen, dass fälschlicherweise die kompletten Kosten, die durch den Einbau des Fassadensanierungssystems entstehen, als Investitionskosten angesehen werden. Da jede Fassade regelmäßig gewartet werden muss, fallen ohnehin Kosten für z.B. Gerüst und Untergrundvorbereitung an. Ein neuer Anstrich, der ein Haus optisch aufwertet, bringt weder Energieeinsparung, noch Behaglichkeitsgewinn und führt zu keiner messbaren Wertsteigerung des Gebäudes. Das heißt, dass für Wirtschaftlichkeitsberechnungen auch wirklich nur der Kostenanteil berücksichtigt werden darf, der allein durch die Dämmmaterialien sowie deren Einbau verursacht wird.

Wenn also ein WDVS eine sinnvolle Investition ist, wie dick sollte denn dann gedämmt werden?

Wo genau die wirtschaftlichste Dämmschichtdicke liegt, lässt sich auch bei sorgfältigster individueller Berechnung nicht genau ermitteln. Ausgehend von einem U-Wert von 1,4 W/m²·K (typischer Altbau 60er-Jahre) beträgt die mögliche Energieeinsparung durch eine 8 cm dicke Dämmung (Wärmeleitfähigkeit 0,04 W/m·K) rund 10 Liter Heizöl pro m² (U = 0,37 W/m²·K). Durch eine Verdopplung der Dämmschichtdicke beträgt der maximal mögliche Mehrnutzen nur noch rund 1,5 Liter (U = 0,21 W/m²·K). Im ungedämmten Zustand (Ti = 20° C, Ta = -5° C) beträgt die innenseitige Außenwandtemperatur hierbei 15,5° C. Dies hat zur Folge, dass im Bereich der Außenecken die für Schimmelpilzbildung gefährliche Unterschreitung der 12,6° C-Grenze gegeben ist. Auch ist die Behaglichkeit durch die kalten Wände nicht gegeben bzw. wird, wie oben erwähnt, die tatsächliche Raumlufttemperatur deutlich geringer sein. Darüber hinaus liegt der Frostpunkt im Mauerwerk, so dass die Bausubstanz darunter leidet. Durch die 8 cm dicke Dämmung wird die Wandtemperatur immerhin um mehr als 3 K auf 18,8° C erhöht. Die Schimmelpilzgefahr ist deutlich reduziert und auch die Behaglichkeit wird spürbar besser. Darüber hinaus ist das Mauerwerk nie kälter als 15° C. Die 16 cm dicke Dämmung bringt im Vergleich nur noch eine Temperaturerhöhung von 0,5 K. Diesen Temperaturunterschied wird man kaum mehr spüren und auch das Mauerwerk wird hierbei nicht besser geschützt. Ob also eine 16 cm dicke Dämmung wirtschaftlicher ist als eine 8 cm dicke, ist somit sehr fraglich, da sich die Mehrkosten hierfür in der Regel nicht „nur“ auf den Dämmstoff beschränken. Dachüberstandserweiterung, längere Dübel und größere Fensterbänke seien hier nur beispielhaft genannt. Auch werden die solaren Gewinne durch immer größere Fensternischen geringer, so dass der Einsparungsmehrnutzen noch kleiner wird. Zudem wollen viele Bauherren keine „Schießscharten“.


Aber es gibt Hochleistungsdämmstoffe mit geringeren Wärmeleitfähigkeiten, die dies verhindern!

Der Einsatz dieser Dämmstoffe ist aufgrund der sehr viel höheren Preise und der teils aufwendigeren Verarbeitung in den meisten Fällen ebenfalls keine wirklich sinnvolle Alternative und reduziert sich eher auf Wärmebrücken, wie Leibungen und Nischen oder Bereiche. Es lässt sich festhalten, dass in den meisten Fällen in Abhängigkeit der jeweiligen konstruktiven Gegebenheiten die optimale Dämmschichtdicke in der Altbausanierung wohl bei 8 bis 12 cm, unter Verwendung von Dämmstoffen der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 032, 035 oder 040, liegt. Dickere Dämmschichten bzw. bessere Dämmstoffe sind meist nicht mehr unbedingt wirtschaftlicher.

Aber das widerspricht doch teilweise den Forderungen der EnEV, die oft dickere Dämmschichten fordert!

Leider schreibt die neue Energieeinsparverordnung vor, dass bei einer nachträglichen Außenwanddämmung der U-Wert 0,24 W/m²·K nicht überschritten werden darf. Bei Zuwiderhandlung drohen dem Bauherren und auch dem Fachunternehmer Bußgelder sowie zivilrechtliche Forderungen. Daher wissen wir nicht, ob die neue EnEV wirklich ein Segen oder doch eher ein Fluch ist, da zu befürchten ist, dass viele dämmwillige Bauherren durch die hierfür erforderlichen höheren Kosten abgeschreckt werden. Wir hoffen, dass die Umsetzung der neuen EnEV einfache und unbürokratische Wege zulässt, um sich von den teilweise zu hohen Anforderungen befreien lassen zu können.

Wie sieht es mit dem Neubau aus, ist auch da ein WDVS sinnvoll?

Selbstverständlich rentiert sich ein WDVS auch im Neubaubereich. Natürlich haben die Bauherren hierbei viele Alternativen wie Porenbetonsteine, Hochwärmedämmziegel, zweischaliges Mauerwerk oder Holzständerbauweise, um die hohen Anforderungen der EnEV (der U-Wert sollte rund 0,28 W/m²·K betragen) zu erfüllen.
Die Argumente, die für ein WDVS bei Neubauten sprechen sind:

  • Es sind schlankere Außenwandkonstruktionen möglich, was zu mehr Wohnraum führt.
  • Das tragende Mauerwerk wird dauerhaft vor der Bewitterung geschützt.
  • In Verbindung mit schweren bzw. wärmespeicherfähigen Wandkonstruktionen (Beton, Kalksandstein) können solare Wärmegewinne durch Fenster effektiver genutzt werden und im Sommer überheizen sich die Innenräume nicht so sehr.
  • Da schubweiche Dämmstoffe, wie EPS, PUR und Mineralwolle, zu deutlich geringeren Spannungen führen, ist die Rissneigung des Putzsystems, im Vergleich zu Putzen auf hoch wärmedämmenden Mauerwerken, deutlich reduziert.

Herr Grünefeldt, wir danken Ihnen für das informative Gespräch!

Quelle: Malerblatt 09/2010

 

 

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