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Zeitgemäße Aussenputze

Außenputze und -farben sind wahre Multitasker: Zum Stand der Dinge haben wir Wolfgang Hoffmann befragt.

Herr Hoffmann, Außenputzen wird wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch Planer scheinen sich stärker mit den gestalterischen Möglichkeiten zu beschäftigen. Können Sie das bestätigen?
Die Putzoberfläche ist nach wie vor sehr beliebt, bietet sie doch viele unterschiedliche Oberflächen und Lösungen. Der Planer nutzt in letzter Zeit mehr die Möglichkeit zur Kombination, verbindet Putz und plattenförmige Werkstoffe wie Stein, Holz, Flachverblender oder Photovoltaik-Elemente. Allerdings sollte stets der Gestaltungsgrundsatz „nie glatt über rau" eingehalten werden, um Verschmutzungsproblemen vorzubeugen.

Welche Bedeutung haben heute mineralische Putze?
In den vergangenen Jahren haben mineralische Putze an Marktbedeutung gewonnen. Dafür sorgen verbesserte Verarbeitungseigenschaften, Preisdruck, Ökologie oder die Brandschutz-Diskussion. Ich gehe jedoch davon aus, dass der Höhepunkt erreicht ist und sich pastöse Putze aufgrund ihrer technischen Vorteile in der jetzigen Größenordnung am Markt behaupten werden.

Wie haben sich in den letzten Jahren die bauphysikalischen Anforderungen an Außenputze verändert?
Insbesondere bei hochgedämmten Fassaden sind die bauphysikalischen Eigenschaftsprofile von Putzsystemen sehr anspruchsvoll und werden ständig verbessert. So ließ sich bei pastösen Putzsystemen die Wasserdampfdiffusionfähigkeit deutlich verbessern und zugleich die Wasseraufnahme gering halten.

Die Veralgung ist nach wie vor ein großes Thema, wie könnte eine künftige Lösung aussehen?
Bei hoch gedämmten Fassaden ist der Algen- und Pilzbefall nach wie vor ein Thema, allerdings ist der große Hype vorbei. Der Grund dafür ist sicherlich die verbesserte Formulierung der Putzsysteme. Dazu gehört vor allem der gezielte Einsatz von verkappten Bioziden, die eine äußerst geringe Auswaschung aufzeigen und dadurch länger wirken. Je nach Belastung funktionieren auch mineralische Systeme ohne biozide Zusätze. Der beste algizide und fungizide Schutz bleibt aber der konstruktive Schutz – ein ausreichender Dachüberstand wirkt Wunder.

Vor einigen Jahren tobte der Streit, ob hydrophile oder hydrophobe Fassadenoberflächen die bessere Wahl seien.
Der Streit hat sich gelegt, beide Prinzipien haben ihren Platz im Markt gefunden. Prinzipiell ist bei stark feuchtebelasteten Fassadenflächen eine hydrophobe Oberfläche sinnvoll, bei weniger belasteten Fassadenflächen jedoch nicht – hier sind hydrophile Oberflächen im Vorteil. Da aber Gebäude immer beide Belastungstypen aufweisen, sollte eine Fassadenbeschichtung oberflächenbenetzende Eigenschaften besitzen, gleichzeitig aber kapillarhydrophobiert sein, um eine geringe Wasseraufnahme zu erreichen. Das ist stets ein Kompromiss.

Tonangebend beim Fassadenschutz: Die Nano-Quarz-Gitter-Technologie überzeugt durch kräftige, brillante Farben.

Auch die Photokatalyse war ein großes Thema, um das es stiller geworden ist. Warum?
Im Hause Caparol ist die Photokatalyse schon seit Jahren im Einsatz und Teil des Caparol Clean Concepts. Über die Photokatalyse lässt sich das Verschmutzungsverhalten einer Fassadenfarbe sehr gezielt steuern. Bei funktionalen Oberflächen ist das Problem nach wie vor die Beweisführung. Die im Labor erzielte Abbaurate für Stickstoff liegt zum Beispiel bei etwa 40 Prozent. An der Fassade ist dieser Wert jedoch nicht reproduzierbar, da die Einflussfaktoren Wind, Sonne, Regen und Stickstoffgehalt der Luft stark variieren. Dennoch sind funkti-onale Oberflächen ein Thema, jedoch braucht es noch einige Jahre an Entwicklungszeit.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Forschung und Entwicklung für Caparol?
Die Entwicklungsabteilung bei Caparol ist die Zentrale für Innovationen und Fortschritt. Die dort beschäftigten Experten haben die Aufgabe, Produkte stetig zu optimieren. Dabei ist der Gesetzgeber ein großer Treiber der Entwicklung. Man denke nur an die VOC- und an die aktuelle Kobalt-Diskussion.

Zurück zu den Putzen. Die bieten eigentliche viele Optionen zur Gestaltung der Oberflächen, dennoch bleibt es meist beim Kratzputz.
In der Tat ist der Kratzputz die dominierende Struktur, wobei der Trend hin zu feineren Strukturen geht. Es gibt aber auch Leuchtturm-Objekte mit Kornstärken von sieben bis acht Millimetern.

Feinere Strukturen erfreuen nicht jeden Verarbeiter.
Natürlich stellt dies höhere Anforderungen an den Verarbeiter. Ebenheitstoleranzen an einem acht Meter hohen Giebel können da schon zur Herausforderung werden. Zugleich steigt die Erwartungshaltung des Kunden. An den Verarbeitungseigenschaften der heutigen Putze lässt sich nicht mehr viel verbessern. Damit bleibt das handwerkliche Geschick eine wesentliche Kompetenz.

Egalisierungsanstriche neuer Putzoberflächen werden immer wieder strittig gesehen. Wie stehen Sie dazu?
Der EG-Anstrich dient ausschließlich dazu, die optische Anforderung bei getönten mineralischen Putzen zu erfüllen. Es handelt sich also nur um eine optische Maßnahme. Technisch gesehen ist ein einmaliger Anstrich nicht die beste Lösung, ein zweimaliger Anstrich bietet deutliche Vorteile und ist dem normalen Anstrich in Funktion und Form sehr nahe. Der Kostendruck verhindert diesen jedoch meist. Dabei reduzieren Techniken wie unser NESPRI-TEC-System den Lohnanteil und entlasten die Kostensituation.

Wie relevant ist die Farbtonstabilität bei Beschichtungen mit intensiven Pigmentierungen?
Die Farbtonstabilität auch von intensiven Farbtönen ist Grundvorrausetzung für die Außenanwendung in Form von Putzen oder Beschichtungen. Realisiert wird dies durch die Rezeptierung mit anorganischen Pigmenten. Hier wurde von Caparol das A1-Konzept entwickelt, welches ein Qualitätsversprechen zum Verarbeiter und Kunden darstellt. Dieses wurde vom Markt sehr positiv aufgenommen und stellt heute den Marktstandard in Sachen Lichtbeständigkeit dar.

Das Interview führte Armin Scharf.

Wolfgang Hoffmann leitet das Produktmanagement Farben Lacke Bautenschutz bei Caparol.

Quelle: Malerblatt 12/2014
Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz

 

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