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Dämmputze

Das Oberbräu in Holzkirchen wurde im Jahre 1896 als Teil eines Brauereiensembles mit Ställen und Nebengebäuden erbaut.

Nach Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen wurde das denkmalgeschützte Gebäude in den letzten Jahren zu einem kulturellen Treffpunkt umgestaltet, der ein Theater, ein Kino, einen Festsaal und ein Café umfasst.

Die Nutzung stand bereits zu Beginn der Planung fest. Die Durchführung der Baumaßnahme gestaltete sich durch bau- liche Zwänge und durch Auflagen der Denkmalschutzbehörden jedoch schwierig. Die notwendigen Gebäudedämmmaßnahmen auf dem zum Teil gerundeten Gebäudekomplex sollten mit Maß und nach historischem Vorbild mit Rusticobossen im ersten Geschoss ausgeführt werden. Zudem sollten erhabene Fenstereinfassungen und Zierstuckelemente als Fassadenzier wieder zur Geltung kommen. Die dicken Außenwände stellten sich nach dem vorliegenden, verformungsgerechten Aufmaß als nicht unbedingt gerade und lotrecht dar. Ein Wärmedämm-Verbundsystem auf dem historischen Mauerwerk aufzubringen, war schlichtweg nicht sinnvoll durchführbar. Die Planer und Denkmalschützer entschieden sich deshalb für einen fast in Vergessenheit geratenen Dämmstoff, den Dämmputz.

 

Nicht nur für außen


Dämmputze werden seit etwa 30 Jahren als Werktrockenmörtel hergestellt. Um die wärmedämmenden Eigenschaften des Dämmputzes herzustellen, werden organische oder mineralische Leichtzuschläge verwendet. Erst die maschi-nelle Montage dieser Dämmputze durch Putzmaschinen und Förderanlagen ermöglichte die effiziente Verarbeitung dieser Produkte.

Dämmputze werden aber nicht nur bei der Außendämmung eingesetzt. Beispielsweise an Gebäuden, an denen eine Außendämmung nicht möglich bzw. durchführbar ist, wie z.B. bei Fachwerkhäusern mit historischem Sichtfachwerk, kommen Dämmputze durch neue bauphysikalische Berechnungsprogramme, wie COND und WUFI, wieder vermehrt als moderate Innendämmung zum Einsatz. Durch ihre kapillaren Eigenschaften, dem Diffusionsverhalten und ihrer Verarbeitung, entsprechen Dämmputze, bauphysikalisch betrachtet, den klassischen mineralischen Putzen. Die Vorteile eines Dämmputzes werden gerade an geometrisch schwierigen Oberflächen und sehr unterschiedlichen Untergründen deutlich. Fassaden mit Erkern, Gesimsen und Rundungen können so mit einer fugenlosen und hohlraumfreien Dämmschicht versehen werden.

Variabel und frei modellierbar


Mauerwerksunregelmäßigkeiten können von Dämmputzen durch ihre variablen Schichtdicken und ihre hohlraumfreie Aufbringung regelrecht ausgeglichen werden. Dazu sind vorab keinerlei Ausgleichsmaßnahmen auf dem Mauerwerk notwendig. Lediglich im Sockelbereich, wo Dämmputz aufgrund seiner geringen Druckfestigkeit nicht eingesetzt werden darf, muss auf Sockel- und Perimeterdämmplatten zurückgegriffen werden. Neben den variablen Schichtdicken bringt ein maschinell aufgebrachter Dämmputz aber einen weiteren Vorteil mit: Dämmputz kann auch modelliert werden. So konnten die geplanten Rusticobossen und die Fassadenzierelemente aus dem Dämmputzmaterial mittels Putzhobeln aus einem in diesen Fassadenbereichen dicker aufgebrachten Dämmputz herausmodelliert werden. Die enorm aufwendigen Vorarbeiten zur Herstellung der Rusticobossen durch Auflattung und mehrfachem Putzauftrag mit Zwischenstandzeiten entfielen so bei diesem Bauvorhaben. Natürlich bedarf es an dieser Stelle enormen handwerklichen Geschicks. Mittels waagerechter Abschnürung um den großen Gebäudekomplex herum, mitsamt den schwierig in den Griff zu bekommenden Gebäuderundungen, konnte letztendlich ein sehenswertes Gesamtbild geformt werden, welches der zukünftigen Nutzung Rechnung tragen wird.


Da ein Dämmputz allein keinen dauerhaften Witterungsschutz bietet, wurden die Flächen mit einer vollflächigen Gewebespachtelung überarbeitet. Darauf wurde ein mineralischer Oberputz und ein Anstrichsystem ausgeführt.

Dipl.-Ing. (FH) Anton Merath, Baumit
Fotos: Baumit
Quelle: Malerblatt 11/2012
 

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