• Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Über unsKontaktImpressumSitemapJobs
Home Gestaltung Referenzen Gartenmauer, Berlin

Gartenmauer, Berlin

Eine 17 Meter lange Betonmauer im Garten eines Wohnhauses wurde so gestaltet, dass möglichst viel Licht reflektiert wird.

Das Grundstück in Berlin blickte früher auf unbebaute Grünfläche, eine alte Bombenlücke, auf der Gräser und Blumen ungehindert wucherten. Jetzt wurde das Nachbargrundstück wieder bebaut, sodass den Garten an zwei Seiten eine insgesamt 17 Meter lange und drei Meter hohe Betonwand eingrenzte. Was für ein Unterschied!

Der Besitzer war bei einer Ausstellung auf meine Arbeit aufmerksam geworden. Ihm gefiel eine große Rauminstallation, bei der ich zwei Säulen mit Frischhalte- folie umspannt und auf den beiden so entstandenen transparenten Membranen leuchtende Schlaufen gesprayt hatte. Wenn man um die Installation herumging, überlagerten sich die auf der einen Seite intensiv hellroten auf der anderen Seite mintgrünen Linien immer wieder neu. Er wünschte sich für die neu entstandene Betonwand etwas ähnliches.

Bei der ersten Begehung fiel mir gleich die schöne gelbrote Backsteinfassade des Wohngebäudes auf und ich wollte in meiner Wandarbeit gerne darauf reagieren. Ich arbeite in meiner Kunst oft nach dem Prinzip, dass ich bestimmte Gesten wie Linien, Punkte oder Schlaufen so oft wiederhole, dass ein strukturiertes Feld entsteht, in dem die einzelnen Gesten kaum noch zu erkennen sind. Oft kommt es dabei zu dezenten optischen Effekten – ein leichtes Flirren entsteht.

Hier sind die einzelnen Arbeitsschritte der Entstehung des Werkes sichtbar.


Sonnengeflecht

Für die Hofwand plante ich eine Art Sonnengeflecht– das Gelb der Fassade aufgreifend, aber noch strahlender. Ich hatte ein Jahr zuvor eine kleine Zeichnung auf einem Briefumschlag gemacht, auf der sich Zickzacklinien vertikal und horizontal überlagerten. Dieses Prinzip wollte ich wieder aufgreifen. Ich überprüfte die Wirkung meines Vorhabens anhand von Photoshop-Skizzen. Dazu nutzte ich Fotos des Ortes und überzeichnete sie mit der Struktur. Ich hatte mehrere Entwürfe vorbereitet und auch verschiedene Hintergrundtöne ausprobiert, entschied mich dann aber dafür, den hellen Beton sichtbar zu lassen. Dabei war mir auch wichtig, dass möglichst viel Licht reflektiert würde, da die Wohnungen keine direkte Sonneneinstrahlung hatten.

Die Betonwand wurde mit Haftgrund vorbereitet, dann begann ich die gelbe Struktur zu sprayen. Ich arbeitete mich zunächst mit den waagrechten Linien von unten nach oben vor, die senkrechten wiederum zog ich von oben nach unten. Um die gewünschte Farbintensität zu erreichen, musste ich jede Spur vier- bis fünfmal nachfahren, erst dann leuchtete sie so intensiv, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dazu nutze ich Spraydosen mit einem mittelbreiten Aufsatz. Um die große Wandfläche bewältigen zu können, hatte ich in allen Sprayerläden Berlins sämtliche Vorräte des Farbtons „Yellow Cab" aufgekauft.

Umgrenzt durch die sich überkreuzenden Linien waren ganz unterschiedliche Formen entstanden. Einzelne dieser Zwischenräume füllte ich mit hoch- weißem Bootslack. Dieser Lack ist sehr witterungsbeständig und glänzt extrem. Wie glitzernde Reflexionen sollte er die gesamte Fläche durchziehen. Dadurch wurden die zufällig entstandenen Zwischenformen auch erst richtig bewusst und ich konnte einzelne hervorheben. Mal hatte sich ein fast gleichschenkliges Fünfeck ergeben oder eine pfeilartige Spitze, die den darunterliegenden Gartenzaunspitzen verblüffend ähnelte.

Der Lack glänzte so hell wie gewünscht und dennoch wirkte mir das Ergebnis im Vergleich zu meinen Vorskizzen noch zu oberflächlich. Also bemalte ich noch einige der Zwischenräume mit zartblauer Ölfarbe. Diese hatte ich zur schnelleren Trocknung und Haltbarkeit mit einem Harzmalmittel versetzt. So konnte ich halbtransparente Schichten mit leichten Farbverläufen auflegen und der Fläche mehr Tiefe geben.

Das Werk auf Beton entstand aus Acryl, Harzölfarbe und Bootslack.


Komplementärkkontrast

Für mich war bei dem Auftrag besonders die Größe der Wand – 17 Meter – und ihre L-Form interessant. Wenn man davor stand, war man komplett von diesem gelb leuchtenden Pulsieren umgeben. Was ich nicht so stark erwartet hatte und was mich sehr freute: Der hellgraue Beton wirkte je nach Sonneneinstrahlung fast himmelblau! Ich denke, das liegt am Komplementärkontrast, bei dem das Gehirn bei einem starken Farbeindruck auf einer neutralen Fläche die Gegenfarbe produziert. Das sich stetig ändernde Sonnenlicht lässt immer wieder Neues geschehen.

Es ändert die Intensität der Farbe und produziert ein immer neues Schattenspiel. Besonders das der Pflanzen gefällt mir gut. Wie ein zartes Spitzenmuster zittern die Schatten der Blätter über den ganz ähnlichen gelben Formen. Regnet es aber, glänzt der nasse Beton in noch tieferem Graublau. Mich begeistert dieser ständige Wandel. Auch wenn meine Arbeiten sonst eher in neutralen weißen Galerieräumen zu sehen sind, ist es genau dieser Aspekt, der mich interessiert.

Ich bin der Überzeugung, dass ein Bild generell immer wieder anders wirkt, weil man sich selbst ja auch ständig ändert. Um das deutlich zu machen, sehen viele meiner Arbeiten je nach Standpunkt im Raum etwas anders aus, sodass sich mit jedem Schritt wieder neue Ansichten ergeben.

Anstatt auf eine graue Betonmauer fällt der Blick auf das „Sonnengeflecht“. Das Licht wird reflektiert, was der Wohnung des Auftraggebers zugute kommt, weil es dort keine direkte Sonneneinstrahlung gibt. Fotos: Lotte Günther, Jörn Rädisch

Lotte Günther
Quelle: Malerblatt 10/2013
 

Premiumpartner

Caparol Logo



Partner



CD-Color Flex


Paul Jaeger
Jansen
Jansen

Caparol Icons

Ihre Meinung

Wie wichtig sind Ihren Kunden nachhaltige Farben & Putze?
 

Newsletter

Der Malerblatt-Newsletter informiert Sie wöchentlich und kostenlos über Aktuelles aus der Branche.
Jetzt anmelden