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Baustil: Renaissance

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Baustil: Renaissance

Renaissance: Ein Baustil, der seine Ideen aus der Antike nimmt und mit starken Farbkontrasten spielt.

Über sehr weit zurückliegende Zeiten liegen uns wenige Aufschriebe zur farbigen Fassung von Architektur vor, hier müssen wir uns auf Befunderstellungen von Restauratoren und Denkmalpflegern verlassen. Wir wissen heute, dass bereits die Tempel der Griechen und die Tempel und Gräber der Ägypter farbig gefasst waren. Die verlässlichsten Befunde an historischer Bausubstanz haben wir aus der Zeit der Renaissance und den nachfolgenden Epochen. Die ersten in deutscher Sprache geschriebenen Rezepturen zur Herstellung und Anwendung von Farben stammen aus der Zeit des 13. Jahrhunderts. Hier hatte man sich der lateinischen Aufzeichnungen des Altertums bedient und übersetzt. Jeder Maler hatte für sich seine eigenen Rezepturen entwickelt, welche später dann an den Gesellen weitergegeben wurden.
Unter Renaissance verstehen wir die Stilrichtung, die auf die mittelalterliche Gotik folgte und in Deutschland um 1520 bis ca. 1600 nach Christus datiert wird. Die Bewegung kam aus Italien, hier begannen die italienischen Künstler sich auf die Kunstformen ihrer Vorfahren wieder zu besinnen, Baustile und Skulptur der Antike zu studieren und in die neue Architektursprache einfließen zu lassen.

Architektur

Die Renaissance-Architektur betont die horizontale Linie sehr stark und einzelne Stockwerke werden durch Gurtgesimse gegliedert. Im Sockelbereich wird sehr gern ein rustikales Mauerwerk verwendet, in den darüber liegenden Stockwerken findet man häufig Putzbau oder Fachwerkstruktur. Aus der Antike werden die Säulenordnungen der Griechen übernommen: dorische, ionische und korinthische Säulen schmücken als Wandvorlagen die Fassade. Durch diese Wandvorlagen wird die Vertikale der Fassade gegliedert. Eingangsportale erinnern durch ihre reinen Rundbögen an römische Triumphbögen. Über den Fenstern kommen Verdachungen als Dreiecks- oder Sprenggiebel vor. Der gotische Stufengiebel wird abgewandelt zu einer leichten Wellenform mit abschließenden Voluten.

Farbigkeit

Das Sockelgeschoss bei Renaissancegebäuden wurde gerne mit Natursteinen gemauert. Sehr häufig findet man auch imitiertes Quadermauerwerk aufgemalt oder reliefartig in den Putz eingeschnitten, was offensichtlich aus Kostengründen geschah. Es gibt drei Materialtypen von Renaissancehäusern: Häuser, die vollkommen aus Naturstein erbaut wurden, wie z.B. Schlossbauten, verputzte Fassaden und den Typus Fachwerkbau, welcher in Deutschland zur Zeit der Renaissance eine ganz besondere Blütezeit erlebte.
Die Verwendung von Naturstein in der Fassade ist sehr stark vom Lokalkolorit geprägt, das heißt, man verwendete in der Regel den Stein, der in der betreffenden Gegend abgebaut wurde und nicht sehr weit transportiert werden musste. So finden wir beim Heidelberger Schloss eine andere Farbigkeit als z.B. beim Stuttgarter Schloss.
Verputzte Häuser sind in der Regel gekalkt, je nach Qualität des Kalkes von Reinweiß bis Grauweiß, Fensterumrahmungen und Gurtgesimse werden entweder in Naturstein ausgeführt oder natursteinfarben gefasst. Eine besondere Vorliebe entwickelte sich für den Farbton „Eisenoxidrot“, verschiedene Grautöne und gelbe Ockervarianten. Neben dieser eher zurückhaltenden Farbigkeit findet man aber auch starke Farben, wie z.B. beim Esslinger Rathaus, dessen Fassade in einem starken Rot gestrichen wurde, die horizontalen Gliederungen dagegen kontrastreich in Weiß abgesetzt wurden. Man kann der Renaissance in der Farbigkeit eine Vorliebe zu einem „Bunt-Unbunt“-Kontrast zusprechen. Bei den Fachwerkgebäuden werden die Gefache in der Regel weiß ausgeführt und gekalkt, beim Gebälk ist die Farbigkeit je nach Region sehr unterschiedlich ausgeprägt. In Süddeutschland findet man eine ausgeprägte Buntheit bei den Holzfarbtönen, in Norddeutschland ist die Farbgebung eher zurückhaltender, dafür aber mit stark dekorativen Details. Teilweise wird das Gebälk optisch erweitert mit farbigen Beistrichen. Die Farbigkeit reicht vom grauen Fachwerk, bis hin zum „Ochsenblutrot“, zum Ocker, Schwarz und einer Reihe von Braun und Umbratönen.

Prof. Matthias Gröne, Hochschule Esslingen
Quelle: Malerblatt 01/2010


 

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