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Orientierungssysteme

Dipl.-Designerin Martina Lehmann über den Einsatz von Farbe zur besseren Führung und Orientierung in Gebäuden.

Malerblatt: Welche Faktoren sind ausschlaggebend bei der Entwicklung eines Orientierungssystems mit Farben? Martina Lehmann: Ausschlaggebend ist die Architektur des jeweiligen Objekts, die Nutzung und seine Umgebung. Es ist ein Unterschied, ob ich ein Orientierungssystem für eine Tiefgarage oder ein Seniorenheim entwickle. In einer Tiefgarage stehen funktionale Aspekte im Vordergrund, dort hält sich der Nutzer nicht lange auf. Die Gestaltung kann hier durchaus plakativ erscheinen. Das ist ganz anders in einer Wohneinrichtung. Hier muss die Orientierung subtiler funktionieren, indem unterschiedliche Atmosphären in den jeweiligen Wohngruppen oder Geschossen geschaffen werden, die dann einen prägenden Charakter haben. Gleichzeitig muss ich teilweise mit deutlichen Kontrasten arbeiten, damit sich auch Menschen mit Seheinschränkungen zurechtfinden.


Welche Vorschriften, Regeln, Normen gilt es in Bezug auf Schriftgrößen, Signalcharakter oder Ähnliches zu beachten? In öffentlichen Räumen, wie beispielsweise Straßen, ist alles sehr detailliert geregelt und fest vorgeschrieben. In Innenräumen ist da mehr Spielraum. Aber auch hier gibt es Vorschriften. Bestimmte Farben kennzeichnen beispielsweise Rohrleitungen je nach Durchflussstoff. Bedeutsam ist auch die Norm 32 975 für visuelle Barrierefreiheit. Sie soll für Menschen mit Sehbehinderungen eine verbesserte Wahrnehmung gewährleisten. In Gestaltungskonzepten können auch CI-Farben oder Schrifttypen einer Firma vorgegeben sein, die in ein Leitsystem zu integrieren sind.


Wie müssen die Farben beschaffen sein? Nach welchen Kriterien wählt man diese aus? Wenn verschiedene Bereiche in einem Gebäude zur besseren Orientierung differenziert werden sollen, muss sich auch die Farbgebung klar unterscheiden. Je nach Aufgabenstellung erfolgt die Farbauswahl individuell und auf die Gegebenheiten abgestimmt. Dies gilt speziell für Senioreneinrichtungen. So können beispielsweise Bildmotive unterschiedliche Stationen oder Wohngruppen prägen, die gleichzeitig eine gute Farbbasis zur Gestaltung darstellen. Auch Stoffe, Bodenbeläge, Fliesen geben bestimmte Farbrichtungen vor und führen zu einer charakteristischen Raumstimmung, die der Orientierung dient. Auf jeden Fall sollten intensive, plakative Farben sparsam verwendet werden und nur an wirklich markanten Stellen auftauchen. Gerade die Kombination von kräftigeren und verhüllten Farben macht eine interessante Gestaltung aus und die bleibt im Kopf hängen.


Widersprechen sich „schöne“ Gestaltung und die funktionalen Aspekte bei Führung bzw. Orientierung? Nein, gar nicht! Eine schöne Gestaltung kann auch sehr funktional und hilfreich bei der Orientierung sein. Nicht besonders spannend sind Gestaltungen, die bestimmte Bereiche mit einer starken Farbe „markieren“. Alles andere wird neutral belassen. Das sieht man oft in Parkgaragen. Hier wäre es schon ein Fortschritt, wenn der eigentliche „Leitton“ farbliche Begleiter erhielte, zum Beispiel wenn in einer grünen Ebene eben nicht nur ein knalliges Grün dominiert, sondern unterschiedliche Nuancen, die auch in Helligkeit und Sättigung variieren.


Wenn bestimmte Farben bereits zur Orientierung eingesetzt werden, sind diese dann zur Gestaltung noch zusätzlich einsetzbar? Ich benötige ein klares Konzept, damit der Leitgedanke verstanden wird. Bestimmte Bauelemente, Akzentflächen und Beschilderungen sollten sich bereichsweise farblich deutlich differenzieren, andere können sich auch einheitlich durchziehen, beispielsweise ein Vinylboden in Holzoptik oder weiße Türblätter. Es spricht nichts dagegen, Farben zu wiederholen, allerdings sollten diese dann an anderer Stelle Verwendung finden, vielleicht in einem Bezugsstoff oder schwächer gesättigt auch als Wandfarbe. Bei farblichen Verzahnungen in einem Konzept muss die Hierarchie stimmen. Eine Farbe sollte pro Bereich vorherrschen, andere sollten sich zurücknehmen.

Dipl.-Designerin Martina Lehmann 


Das Interview führte Martin Mansel.

Malerblatt 10/2017

 

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